Reisen


Immer noch لا مشكلة

Während der fast drei Wochen und den gut 2300 km bis hierhin nach Timimoun wurden wir ganze vier mal gecheckt.

Das erste Mal war bereits als wir Djanet verliessen. Wir wurden dort nach unserem Reiseziel gefragt, bestätigten den Vorschlag des Gendarmen, dass dies Fort Gardel sein könnte und zwitscherten dann aber nach 20km in westlicher Richtung in den Erg Admer ab.

Auf den Pisten bis Idless sahen wir dann ohnehin kaum jemanden und dort schienen die Beamten nicht einmal davon auszugehen, jemanden kontrollieren zu müssen, sodass wir den Checkpoint zweimal passieren konnten, ohne überhaupt jemanden zu sehen. Beim Besuch der Gueltas von Afilal auf der Südseite des Assekrem hielten wir direkt neben drei Eskorten-Gs für andere Touristen, waren eineinhalb Stunden da und wurden von den Gendarmen nicht einmal angesprochen. In Tamanrasset meldete uns das Personal vom Hotel, auf dessen Hof wir standen, bei der Polizei. Bei den diversen Checkpoints bis In Salah gingen wir jeweils davon aus, dass die Handbewegungen der Beamten ein Durchwinken seien und fuhren, bemüht darum nicht wirklich hinzuschauen, einfach durch.

Erst beim Kreisel vor In Salah wurden wir seit Djanet wieder einmal gestoppt. Die Leute dort versicherten uns von Anfang an, dass eigentlich alles gut sei, wir aber auf irgendetwas warten müssten, was sich später als eine Begleitung zum Hauptposten herausstellte. Dort wurden wir, es war Freitag und kurz vor 12 Uhr, von einem Höheren direkt am Computer (!) mit Ziel Timimoun registriert und dann eiligst unserem Schicksal überlassen.

Am Gendarmerie-Checkpoint kurz nach In Ghar war das erste Mal etwas Durchsetzungskraft gefragt. Die grünen Männchen da schrieben erstmal alles auf, was über uns aufgeschrieben werden kann, was lange dauerte, und hiessen uns schliesslich auf eine Eskorte bis zur bloss 30km entfernten Distriktgrenze zu warten. Wir erklärten darauf, dass wir in diesem Falle auf die Weiterfahrt verzichten würden und wollten unsere Pässe zurück. Als wir sie nicht bekamen, liessen wir sie kurzerhand da, und fuhren wieder in Richtung In Salah zurück. Aber schon in In Ghar sperrte (wie insgeheim erwartet bzw. erhofft) bereits ein maximales Empfangskomitee von Gendarmen und Polizisten die Kreuzung. Der Commendant der Brigade war höchstpersönlich zugegen und erklärte mir schulterklopfend, dass seine Leute am Checkpoint die Sache nicht ganz immer im Griff hätten und dass wir natürlich alleine weiter reisen dürften. Einzige Bedingung: Sollten wir auf der Rückreise hier nochmals vorbei kommen, so hätten wir mit ihm Couscous zu essen. Nach dem Versprechen dies zu tun, tauschten wir unsere Kontakte und wir erhielten Pässe und freies Geleit zurück.

Durch Reggane und weiter in den Norden war dann wieder Lächeln und Zuwinken angesagt, bis uns in Zaouit Sidi Abdelkader zwei bereits irgendwie vorgewarnte Zivile an der Strasse erwarteten und baten, im Polizeihof zu parken und sie in den kalten 1.Stock zu begleiten. Es war das erste Mal in Algerien, dass sie um eine Fiche froh waren, was ihnen die Schreibarbeit abnahm und uns viel Zeit für Smalltalk liess. Wir hatten es lustig und nachdem wir ihnen unsere bisherigen Abenteuer in Algerien erzählt haben, kam das übliche “soyez les bienvenues” und das “bonne route” zusammen mit der Versicherung, dass sie uns bei den kommenden Posten bis Timimoun zwecks freier Durchfahrt schon mal registrieren würden.

Bis jetzt gab’s also keine wirklichen Probleme und wir können diesbezüglich weiterhin zuversichtlich bleiben.

Tamanrasset – Timimoun

Die rund 1600km lange Strecke vom Süden und dem hoch gelegenen Tamanrasset (1400m) nach Norden und wieder ins Tiefland bis nach Timimoun lässt sich grosszügig so gliedern.

Erstmal geht’s auf der Transsaharienne (RN1) nach NNW, den Hoggar-Ausläufern entlang und durch den Tassili Immidir, aus den Bergen runter in die tiefer gelegenen Weiten und nach In Salah (300m).

Ab In Salah führt dann eine oft ziemlich vernachlässigte Strasse (RN52) über die einsame, manchmal recht öde Tidikeltebene nach Westen und bis Reggane.

Und schliesslich säumt die Route de la Saoura (RN6) die am gleichnamigen, wasserreichen und fruchtbaren Oued liegenden schönen Oasen und verfallenen Ksars.

Die ambitionierten, landwirtschaftlichen Grossprojekte in der Aufstrebenden Region zwischen In Salah und Timimoun beeindrucken. Ein algerischer Dinar pro Hektare Wüstenland, Wasser und Strom umsonst… das scheint zu motivieren.

Achat hatte nächtlichen Besuch

Schon abends sind die drei Hunde rumgestreift, neugierig interessiert, aber weit weg und kaum zu sehen. Nachts haben sie dann Mut geschöpft …

Tamentit

Von den vielen Ortschaften zwischen Reggane und Adrar gehört Tamentit eher zu den grösseren. Sie wirkt auf den ersten Blick relativ modern, es gibt ein Lycée, ein Spital und sogar zwei Museen.
Umso erstaunlicher der Eindruck, der ein Spaziergang durch den Ort und dessen alter, teils noch erhaltener oder wiederaufgebauter Ksar hinterlässt. Die Menschen reagieren auf Grussworte kaum, schauen weg und ignorieren uns. Die Kinder, sonst eigentlich immer lustig, fröhlich und neugierig, wirken irgendwie seltsam und reagieren auf uns fast ängstlich. Es ist kurz nach drei Uhr, sie tragen alle eine Holztafel mit Suren bei sich und kommen wohl aus der Koranschule.
Wir kennen diese Stimmung aus dem Senegal, haben sie bisher aber in Algerien noch nie so erlebt. Darauf angesprochen, findet auch Mazouz, der 79jährige Besitzer des ‘Rose de Sable’ in Timimoun, das sei ein seltsamer Ort, einst orthodox und heute fundamentalistisch.

“Versteinerte” Bäume bei Foggaret Ezzaouia

Foggaret Ezzaouia liegt etwa 40km nordöstlich von In Salah und ist auf einer Strasse erreichbar. Nach nochmals 20km auf Pisten und einigen Kreuz-und-Quer-Fahrten über Reg haben wir sie gefunden, die 200-300 Millionen Jahre alten Bäume bzw. deren Nachbildungen aus Stein.
Auf Wikipedia findet man dazu folgende Erklärung:
“Weil die Hölzer zunächst durch Sedimente luftdicht abgedeckt wurden und in ihre Zellen anschließend Kieselsäure eindrang, versteinerten sie im Laufe von Jahrmillionen. Durch Erosion kamen sie wieder ans Tageslicht. Es handelt sich dabei nicht um eine „Versteinerung“ im wörtlichen Sinne, da die organischen Substanzen bei solchen Vorgängen nicht in Gestein umgewandelt, sondern durch Gestein ersetzt werden.”

Spezieller Dank gebührt dem Sijahi alias Andi, der uns im Wüstenschiff-Forum hilfreiche Tipps zu den Fundstellen gab.

… nach Tamanrasset

Tam war nie wirklich schön, aber es pulsiert, ist irgendwie multikulti und gefällt uns sehr.

Ausserdem kommt man hier im ‘Caravanserail’ sehr sympathisch unter, isst abends in den kleinen, einfachen Restaurants sehr gut und kriegt im grossen, gediegenen Hotel ‘Tahat’ an der Bar auf der Dachterrasse sogar ein Bier.

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