Mad Max

Nach den letzten Schikanen bei der Ausreise konnten wir die Stasis Marokkos endlich hinter uns lassen. Die Freude über die wiedererlangte Freiheit war gross, wurde aber getrübt durch die unbeschreibliche Situation im sogenannten Niemandsland vor Mauretanien. In diesem 5km breiten Streifen zwischen der besetzten Westsahara und Mauretanien, eigentlich ein Teil der von der Polisario befreiten Gebiete, stauen sich die von Süden kommenden Lastwagen und gestrandete Menschen richten sich zwischen Müll und Schrott dauerhaft ein. Hier verläuft die einzige richtige Strasse Westafrikas in den Norden und es wird deutlich, dass die EU nicht einfach ein „friedenspolitisches Projekt“ ist, sondern eine Festung, deren Herren skrupellos mit menschenverachtenden Randstaaten kooperieren. Das im Osten durch den 2600km langen Wall und im Westen am Atlantik von tausenden von Militärposten eingezäunte und von Europa gehätschelte Marokko ist (wie die Türkei im Osten) eine kaum zu überwindende Barriere für die vom Kapital arm gemachten und die vom Krieg um Ressourcen vertriebenen Menschen.


1 Kommentar zu 'Mad Max'

  1. Lieber Stephan,
    liebe Susanne

    mit grossem Interessen verfolgen wir Euere Reise, mit all den Up and Downs und sehen auch die eindrücklichen Fotos – Bilder zu Realitäten, die man sonst eben nirgends zu sehen bekommt: Mensch und sein Umfeld, Mensch und Tiere, Bedeutung von Wasser, Zugangsweg zu einer Behausung mit … gesäumt, Zuschauertribüne in der Wüste, die Unendlichkeit.

    Von hier (aus dem Tessin) können wir – ausser dem anhaltend schönen (aber kalten) Wetter – nicht unbedingt Gutes berichten; der Hangrutsch mit den sechs grossen Bäumen liegt uns auf dem Magen, dann hat unser Toaster mit einer Stichflamme das Leben ausgehaucht, ist war völlig nebensächlich, aber es erschien einem wie ein Vorzeichen zu den wahrhaftigen Kriegs-Stichflammen, die allenthalben auflodern, zuletzt nun mit diesem provokativen und mörderischen Drohneneinsatz im Irak, eine schaurige Eskalation in einem künstlich hochgeschaukelten ‚Konflikt‘, eine Eskalation seitens von zwei Ländern in denen Wahlen bevorstehen.

    All die schönen Worte zum neuen Jahr sind also bereits Makulatur. Und die anderen Regierenden und ihre Medien? Sie rufen zur ‚Besonnenheit‘ auf! Wobei der blonde Mann im Weissen Haus bereits angekündigt hat, dass er noch 52 weitere Ziele im Auge habe…
    Oder sie schweigen, genau so wie zu der Gegend, wo ihr unterwegs seid. Nachdem der diesjährige alternative Nobelpreis an Laila Fakhouri verliehen wurde, gibt es doch einzelne schüchterne Stimmen (so Urs P. Gasche im InfoSperber, oder ein langes Interview in JungeWelt*), die da den Finger drauflegen. Beides sehr lesenswert, und eine indirekte Aufforderung an Euch, weiterzumachen!

    In diesem Sinne ganz liebe Grüsse und viel Courage wünschen Euch
    René & Susana

    * Das Inteview in Junge Welt vom 4./5.Januar wurde seitens der Leute von Western Sahara Resource Watch realisiert.


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