Sahara Libre


Besuch bei der Polisario

Um direkt von der Ben Aisha nach Zouérat in Nordmauretanien zu gelangen, beschlossen wir, die von der Polisario befreiten Gebiete zu durchqueren. Die Grenze zur RASD (République Arabe Sahraouie Démocratique) verläuft nur etwa 5km nördlich vom Ben Aisha einfach mal nach Nordosten los. Nach einigen Kilometern wussten wir, dass wir weder vom Maurischen Militär noch von der Polisario entdeckt wurden und dass uns für die nächsten 100km offroad und die Dünen des Erg Hamami nichts im Weg stehen wird.

Am nächsten Tag erreichten wir den ersten Posten der Polisario und baten dort um die Erlaubnis den Pelican 16 (siehe weiter unten) besuchen zu dürfen. Das war mehr eine Respektsbezeugung, wir waren beim Pelican ja schon vor zwei Jahren. Die Soldaten brachten uns daraufhin nach Agounite zum Headquarter, wo wir herzlich empfangen und mit Tee und Guezli verwöhnt wurden. Dank meiner Arbeit in den Flüchtlingslagern ergaben sich zudem angeregte Gespräche und auch das Interesse an meinen Fotos war gross.

Unser Anliegen wurde danach freundlich genehmigt und wir fuhren später begleitet von einigen Soldaten die 50km zum Pelican. Der ‚Pelican 16‘ ist eine Avro Shakleton der Südafrikanischen Luftwaffe, war von 1957 bis1990 im Einsatz und musste 1994 bei der Überführung nach England in der Westsahara notlanden. Alle Besatzungsmitglieder überlebten und wurden von der Polisario geborgen, aber das Flugzeugwrack liegt nun seit mehr als 25 Jahren im Wüstensand.

Mad Max

Nach den letzten Schikanen bei der Ausreise konnten wir die Stasis Marokkos endlich hinter uns lassen. Die Freude über die wiedererlangte Freiheit war gross, wurde aber getrübt durch die unbeschreibliche Situation im sogenannten Niemandsland vor Mauretanien. In diesem 5km breiten Streifen zwischen der besetzten Westsahara und Mauretanien, eigentlich ein Teil der von der Polisario befreiten Gebiete, stauen sich die von Süden kommenden Lastwagen und gestrandete Menschen richten sich zwischen Müll und Schrott dauerhaft ein. Hier verläuft die einzige richtige Strasse Westafrikas in den Norden und es wird deutlich, dass die EU nicht einfach ein „friedenspolitisches Projekt“ ist, sondern eine Festung, deren Herren skrupellos mit menschenverachtenden Randstaaten kooperieren. Das im Osten durch den 2600km langen Wall und im Westen am Atlantik von tausenden von Militärposten eingezäunte und von Europa gehätschelte Marokko ist (wie die Türkei im Osten) eine kaum zu überwindende Barriere für die vom Kapital arm gemachten und die vom Krieg um Ressourcen vertriebenen Menschen.