Marokko


Die Felsmalereien von Aouinet-Asguer

Wir sind seit drei Tagen unterwegs von Guelmin, wo wir unsere Freunde wieder getroffen haben. Durch das Draa Tal mit dem Bergmassiv zu beiden Seiten erreichen wir Msied, das sich als recht heruntergekommen erweist. Schade, Kaffees oder Brot gibt es hier nicht, eine Tankstelle auch nicht. Wozu all die Lichter, die die breite, komplett leere Strasse säumen und uns nachts die Illusion eines Städtchens vorgaukeln? Nun ja, nicht das erste mal das wir das erleben hier in Marokko! Also weiter auf einer Piste zu einem sogenannten Antennengrab weiter südlich. Diese Art Gräber aus Vorislamischer Zeit sind immer gleich angelegt. Von einem Zentrum strecken sich, wie bei einem Bumerang, zwei Arme aus. Dieses hier hat speziell lange solche «Antennen» von ca.260 m Länge.

Bei unbeständigem Wetter fahren wir weiter auf einer schönen Piste durch ein Oued, vorbei an Nomaden , Kamelen und einer Herde Ziegen. Kaum halten wir an für die Nacht erscheint ein Hirte auf seinem Esel. Mit ein wenig französisch, etwas arabisch und Handzeichen, verständigen wir uns. Man versteht nur mit dem Herzen gut, würde St. Exupéry sagen. Der Hirte stammt aus dem Hohen Atlas – wie ist er nur hierhin gekommen? Nachdem wir seine arg verschmutzte Wunde am Finger desinfiziert und verbunden haben, schenkt ihm Stephan ein Paar Schuhe. Er kann sie wirklich gut gebrauchen. Am nächsten Morgen geht es weiter durchs Oued, es wird immer steiniger und sandiger und die Piste quert das Oued mehrmals. Werden wir durchkommen? Swinging Chameau schafft es, doch einige Kratzer müssen wir in Kauf nehmen!

Nach einer steilen rumpligen Auffahrt erreichen wir das Plateau wo sich Felsmalereien befinden. Was für eine Überraschung dort ein Campment anzutreffen. Etwa 10 Soldaten der Forces Auxillaires Marocain sind gerade beim Tee trinken in ihrer Khaima. Wir sind natürlich eine willkommene Abwechslung und werden eingeladen. Sie bewachen die « Fundstelle» die inzwischen auch eingezäunt wurde. Die Zeichnungen sind extrem gut erhalten, da sie unter einem grossen Felsen versteckt sind. Giraffen, ein Elefant, Jäger mit Pfeilbögen und auch abstrakte Zeichen. Ein junger Soldat erklärt uns was er darüber weiss, er hat sich ein grosses Wissen angeeignet und war schon oft in der Wüste. Er stammt aus Mhamid, ist offen und sehr interessiert am Austausch mit Fremden. Zum Abschied kriegen wir noch ein frischgebackenes, warmes Brot geschenkt. Was sind wir doch für Glückspilze!

Das Minarettgebot

Die Staatsreligion Marokkos ist der Islam und fast 99% der Bevölkerung sind Muslime. An dieser Tatsache kommt man hier nicht vorbei, an ihrer Ausprägung aber andauernd: kein Dorf ohne mindestens eine Moschee.

Und von den hohen, von weitem sichtbaren Minaretten, rufen die Muezzins morgens und abends zum Gebet. Manchmal tönt dies wie ein Jumbo Jet beim Start, manchmal anmutig schön.

 
Aber die meisten hier nehmen die Sache ganz entspannt – sie lassen die Moschee im Dorf …

Hoch oben im Antiatlas

Wir sind nun zum dritten Tag auf einem Pass (1721m) zwischen Foum Zguid und Taliouine neben einer Piste quer durch den Antiatlas. Der einst hart erkämpfte Weg ist teilweise am zerfallen und entsprechend kamen hier bisher genau zwei weitere Fahrzeuge, zwei uralte Ford Transit, vorbeigehötterlt.

Der Antiatlas ist eine Geröllwüste und die Ortschaften sind Oasen in den Oueds und Mulden zwischen den Bergen. Mit dem wenigen Wasser, das sich dort sammelt, werden dem kargen Boden sorgfältig Gärten abgetrotzt. Neben ihren selbst erstellten Häusern und einigen Tieren haben die Menschen hier wenig. Einige besitzen ein Moto, doch die meisten gehen kilometerweise zu Fuss, oft in simplen Plastikschlarpen. Nur die Strom- und Telefonmasten sind Zeugen vom eigentlich modernen und reichen Marokko. Was manchmal romantisch anmutet, ist meist ganz einfach ein sauhartes Leben in Armut. Omar will jedenfalls weg hier.

Gestern waren wir in der unglaublich schönen, fast betörenden Berglandschaft wandern. Wir bestiegen nahe unseres Biwakplatzes einen Jebel (1910m) und streiften durch die Geröllfelder. Hier findet man Graphit und Spuren deuten daraufhin, dass dieser auch in mühsamer Handarbeit abgetragen wurde.

Assia die Lehrerin von Tanzourout

Vor zwei Jahren habe ich in Tanzourout nahe von Foum Zguid einen Kindergarten besucht, wo die junge Frau Assia als Lehrerin arbeitet und wurde zum Tee eingeladen (Afrikareise 2017-2018 – Foum Zguid). Nun möchte ich ihrer Familie ausgedruckte Fotos von damals vorbei bringen und sehen, wie es Ihnen geht. Die Freude ist gross, sie erinnern sich gut an meinen letzten Besuch. Sofort wird für mich und Stephan Tee, Gebäck und Nüssli aufgedeckt und nach einigem Geplauder zeigen uns Assia und ihre Schwägerin Aziza stolz ihr grosses Haus. Zum Abschluss werde ich noch traditionell eingekleidet, die besten Stücke und der Hochzeitskopfschmuck der Familie werden hervorgekramt. Die Schwarzen Tücher die farbig bestickt sind, gehören in dieser Region zur Tracht. Darüber wird ein schweres Band am Kopf befestigt, dass mit vielen Silbermünzen und Halbedelsteinen bestückt ist. In der Familie gibt es nur ein Stück davon und bei jeder Heirat darf es dann jeweils die Braut tragen.

Clac x 4 und Sand-Heizung

Die strapaziösen Fahrten haben dem Sprinter von Serge und Betty bereits arg zugesetzt: „Il fait clac quand j’accélère et il fait clac quand je relâche la pédale“ konstatiert Serge im weichen Sand des Erg Chegaga noch lakonisch. Auf dem Camping in Foum Zguid stellte sich dann aber heraus, dass das laute Geräusch, das nur im 4×4-Betrieb auftritt, eine zu grosse Unwägbarkeit auf den kommenden Pisten darstellt. Kurzerhand beschlossen unsere Reisegefährten nach Agadir zur nächsten MB-Vertretung zu fahren, wo sich dann herausstellte, dass ausserhalb Europas keine Garantiearbeiten vorgenommen werden können. Also fuhren sie gleich weiter nach Algeciras in Spanien und dort wurde ein Schaden an der Aufhängung des Vorderachsdifferentials diagnostiziert. Die gute Nachricht: Voraussichtlich werden sie in 7-10 Tagen wieder zu uns stossen – Inshallah.

Daneben nimmt sich meine Reparatur als Kleinigkeit aus, nachdem ich feststellen musste, dass unsere Standheizung gar nicht oder nur noch Sand wärmte.

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