Senegal

Saint Louis - Diama - Nouakchott

Auf der Reise zurück nach Mauretanien statten wir Saint Louis nochmals einen kurzen Besuch ab, passieren gegen Abend die Grenze Diama-Birette und fahren nach einer Nacht im Park Diawling weiter nach Nouakchott.

Die Île de Saint-Louis, die Insel an der Mündung des Senegalflusses in den Atlantik, zieht uns an. Es ist wohl ein Hauch von Havanna, das Farbige, die Künstler und die gelassene Stimmung, die den Charme der Stadt ausmachen. Mehr dazu kann man in meinem Beitrag von 2018 lesen.

Den Grenzübertritt bei Diama-Birette empfinden wir wieder als ziemlich entspannt, doch diesmal dauert die Sache trotzdem etwas länger. Zuerst werden wir von einer Zebu-Karawane auf der Brücke über den Senegal ausgebremst, die jedoch Dank ihrem imposanten Vorwärtsdrang und zu unserem Glück widerspruchsfrei freies Geleit bekommt. Die zwei selbsternannten Rally-Truppen aus Litauen und Bulgarien, die kurz vor dem Hornvieh beim maurischen Douane vorgefahren sein müssen, stoppen uns aber nachhaltig. Den Avancen, die diese gleich zu beginn den ihrer Meinung nach ohnehin korrupten Beamten mit Geschenken von Europa machen, begegnet der Chef de Poste mit der Anordnung einer peniblen Durchsuchung ihrer bescheuert beschrifteten und beklebten Fahrzeuge, was natürlich dauert, doch erfolgreich viele viele Biere zum Vorschein bringt, was natürlich nochmals dauert, weil dafür nun die versprochenen Geschenke nicht mehr ausreichen, sondern nur noch viele viele Euros für die ausgestellte Busse.
Fazit: Wir können die Grenze erst um halb Acht in der Dämmerung verlassen und fahren die 15km Kackpiste bis in den Park Diawling im Scheinwerferlicht. Zum Glück kennen wir hier den schönen Platz am kleinen Flüsschen zum Übernachten.

Anderntags geht's kurz durch den Park bis Port de N'Diago, auf der neuen Teerstrasse und der RN1 zügig nach Nouakchott und dort nach Hause ins 'Terjit Vacances' am Meer.

Auf der N7 durch das Ferlo

Wir haben den Senegal schon im Westen der Atlantikküste, im Norden und Osten dem Senegalfluss entlang und im Süden durch die Casamance bereist. In den rund einen Viertel der Landesfläche ausmachenden Ebenen im Zentrum waren wir noch nie und haben auch nie andere Reisende angetroffen, die von dort zu erzählen wussten.

Die Region, die als Ganzes auch mit dem Namen ihres östlichen Teils als Ferlo bezeichnet wird, scheint auf den ersten Blick unattraktiv. Das endlos flache, meist auf einer Höhe um die 50m liegende Busch- und Baumsavannengebiet ist mit 300-600mm jährlichem Niederschlag das wasserärmste und eines der heissesten Senegals. Die Bevölkerungsdichte ist mit etwa 5 Personen pro Quadratkilometer zwar sehr niedrig, doch die wenigen in kleinen Dorfgemeinschaften oder Clans lebenden Menschen betreiben neben etwas Subsistenzlandwirtschaft in den lichten Wäldern und dem hohen, trockenen Gras eine recht extensive Viehzucht.
Um die große Vielfalt an Ökosystemen und Vegetationstypen im Ferlo vor Übernutzung zu schützen und eine nachhaltige Forstwirtschaft zu fördern, wurden schon ab 1972 diverse Gebiete als sylvopastorale Waldreservate und Wildschutzgebiete ausgeschieden. Die grössten darunter sind der 'Forêt Classée des Six Forages' und die 'Réserve de Faune du Ferlo' (IUCN), welche 2012 zum UNESCO Biosphärenreservat erklärt wurde.

Das macht uns nun doch recht neugierig und wir entschliessen uns auf dem Weg nach Saint Louis das Ferlo zu erkunden. Dazu verlassen wir Tambacounda auf der N7, der einzigen durchgehend nach Norden führenden Route, die wir ausfindig machen konnten. Schon nach wenigen Kilometern entpuppt sich die Route National N° 7, anfänglich eine passable Piste, als Feldweg und später als herausfordernde Auswahl von Slalomspuren durch den Savannenwald.

Hier scheint die Zeit meist stehen geblieben zu sein und die senegalesische Welt noch fast in Ordnung ...

Bei Oudalaye stossen wir schliesslich für die letzten 40km auf ein breites geschobenes Trassee und unsere gut 220km lange Fahrt am Ostrand des 'Réserve de Faune du Ferlo Sud' entlang endet bald an der Tankstelle von Ranérou an der N3, der Strasse nach Saint Louis.

Die Trappisten und am Gambia River

Mitte Dezember haben wir an der maurisch-senegalesischen Grenze bei Birette Gaspard kennengelernt. Er war mit dem Fahrrad unterwegs, ganz so, als würde er schnell mal einkaufen gehen. Im Hemd, mit Sandalen auf einem Velo mit Körbchen fuhr er scheinbar gemütlich auf der Dammpiste. Er sei in Frankreich losgefahren und unterwegs zu seinem Bruder, dem Frère Baudouin im Monastère 'Notre Dame de Badi' nahe am Gambia River und dem Niokolo Koba Nationalpark.

Das Trappistenkloster liegt unweit südöstlich von Tambacounda und da kommen wir auf dem Weg von Guinea nach Norden eh vorbei, also planen wir Gaspard und den Mönchen einen Besuch abzustatten. Nach einer schönen Fahrt, am Schluss auf kleinen Pisten zwischen Baumwollfeldern nach Osten um Tamba zu vermeiden, trudeln wir dort am späteren Nachmittag ein und werden herzlich von Gaspard und den Frères Louis und Baudouin empfangen.

Da es schon den ganzen Tag mit 37° sehr heiss gewesen ist, ziehen wir es nach der beschaulichen Sonntagabendmesse, der wir in der klimatisierten Kirche beiwohnen dürfen, erstmal vor, ein paar Kilometer weiter direkt am Gambiafluss einen schattigen Platz im Wald zu beziehen und ein Bad zu nehmen.

In den kommenden vier Tagen kommen hier neben Affen auch schräge Vögel vorbei ...

... und am fünften verlassen wir den schönen Ort und fahren schon früh nochmals zum Monastère, wo wir uns erneut willkommen und sehr wohl fühlen.

Die Trappisten leben ein bescheidenes, kontemplatives Leben in Abgeschiedenheit und Askese. Körperliche Arbeit ist ihnen wichtig und die acht Mönche hier in Badi, betreiben einen landwirtschaftlichen Betrieb. Neben den Gärten für die Selbstversorgung werden um die 10 Hektaren zusammen mit lokalen Angestellten für den Gemüseanbau bestellt und auch etwas Viehhaltung fehlt nicht. Und obwohl Schweigsamkeit für die Trappisten die Regel ist, nehmen die Frères Baudouin, Louis und Bernard nach eigenem Bekunden gerne die Gelegenheit wahr und plaudern ausgiebig mit dem wohl seltenen Besuch. So erfahren wir viel von ihnen und natürlich auch von Gaspard, der uns durch die ganze Anlage führt.

Nachdem wir bei einer weiteren Messe, diesmal mit Gesang, dabei sein durften, werden wir zum Abschied grosszügig mit wunderbar frischem Gemüse beschenkt - ganz herzlichen Dank und alles Gute liebe Frères!

Übrigens war das nicht unser erster Kontakt mit dem strengen Orden, auf unseren Algerienreisen haben wir die Eremitagen von Père Charles de Foucauld in Beni Abbes und auf dem Assekrem besucht, einem der wohl bekanntesten Trappisten.

Zurück in den Senegal

Mit unserem Trip durch die Berge des Fouta Djallon haben wir die Horrorstrecke Mamou-Labé der N5 östlich liegen lassen und kommen nun, bis auf das staubige Trassee bei der Baustelle über den Sinta-Pass (10km), auf gutem Teer entspannt nach Norden zur guineisch-senegalesischen Grenze.

Die Ausreise aus Guinea entpuppt sich dann mit dreieinhalb Stunden als eher langwierig und etwas schräg. Hier les procédures bizarres im Grenzgelände von Sambailo ...

  • Police:
    vor dem Strick über die Strasse rechts parken, zu Fuss zum Aussenschalter linkerhand, Pässe ins schwarze Loch geben, die Frage ob Ein- oder Ausreise beantworten, fürs Foto grad hinstehen, von einer schwarzen Hand die Daumen aufs Fingerprintpad gedrückt bekommen, es wird gestempelt, Pässe wieder entgegennehmen, von einem Polizisten ins Haus zum Chef de Poste geführt werden, diesem die Pässe geben, seine Enttäuschung, dass wir tatsächlich Visa-Sticker in Conakry geholt haben, zur Kenntnis nehmen und wortlos entlassen werden
  • Douane:
    vor dem Strick über die Strasse warten, Strick wird runtergelassen, vor dem Zollgebäude links auf der Strasse parken, das war falsch, geparkt wird gefälligst genau dort, wo man schlecht hinkommt, alle anderen blockiert und schlecht wieder raus kommt, von einer Lakaiin in properer Uniform (herausgeputzt wie hier alle in Zöllner-Uniform) einem Unterlakaien zugewiesen werden, von diesem ins entferntere Zollgebäude begleitet werden, zusehen, wie der Unterlakai unterwegs einem 3-Streifen-Wichtigen unterwürfig von hinten die Tasche abnimmt, zusehen, wie diese in dessen Büro in ein Regal gelegt wird, zusehen, wie bei dieser Gelegenheit gerade noch dessen kaputter Liegestuhl in den Gang befördert wird, froh sein, dass der Lakai sich nun einem wieder zuwendet und in einem engen Büro abliefert, abwarten bis der links hinter dem Computer, identifizierbar der Ranghöhere, sein Telefonat fertig säuselt und dann den vor mir Wartenden anbellt, zusehen, wie er im Carnet de Passage blättert, nach einem weiteren Bellen, dann sogar was reinschreibt und nach erneutem Bellen seinen Unterhund am Nebentisch, der einfach nur dazusitzen scheint, ankläfft die Sache mit dem Angebellten zu übernehmen, mit dem Ranghöheren das Büro verlassen, zum Chef de Poste-Büro gehen, dort klopfen und warten (so wie's der Avis an der Tür verlangt), sich fragen, wie hoch der Ranghöhere eigentlich ist, mit diesem Smalltalken über rotes Kreuz, weisses Kreuz, Switzerland?, aha... Suisse pays, er lächelt sogar, ins CdP-Büro eintreten und vom nun Rangniederen vor dem Pult des Generals hingesetzt werden, warten bis der General wortlos das CPD unterschreibt, das Büro des Generals verlassen und zum Büro des nun wieder Ranghöheren gehen, ertragen, wie dieser mit dem Stempel in der Hand und offenem CPD vor sich schon wieder irgendwas zu bellen hat, kurz das Zimmer verlässt, sich wieder zurück tatsächlich an sein Vorhaben erinnert und den Stempel aufs Papier knallt
  • Scanner:
    hoffen, dass bei der Ausreise nicht gescannt wird, von einem mit Trillerpfeife auf der Strasse vom Gegenteil überzeugt werden, vor dem Hangar Angaben fürs Protokollformular machen, in den Hangar fahren und draussen warten, Scanner-Lastwagen bewegt sich auch nach längerer Zeit nicht, ist defekt, also zurücksetzen aus dem Hangar und warten, nach einer Stunde wieder reinfahren und zu Fuss verlassen, piep piep piep ..., fertig gepiepst, grünes Licht, Wagen aus dem Scanner holen, Susan hat das Protokoll bereits erhalten, also fahren wir

... und 30km später in Boundou Fourdou an der Landesgrenze

  • Police aux frontière (PAF):
    vor dem Strick anhalten, ins Gebäude rechts gehen, Pässe werden gescannt, vier Finger der rechten Hand aufs Fingerprintpad drücken, Pässe vor dem Gebäude ausstempeln lassen
  • Police:
    vor dem Strick anhalten, vors Gebäude links an einen Tisch gehen, vom Strick-Wärter zurück gerufen werden, um das Auto nach vorn zu stellen, fast wieder beim Tisch, angewiesen werden es 10m mehr nach vorn zu stellen, wütend werden und dem Knilch Blödheit vorwerfen, lachende Zustimmung der Polizisten beim Tisch erhalten, Pässe werden von Hand in grossem Buch registriert, uff, nur weg hier

Es geht aber auch anders und nochmals 35km weiter in Kalifourou erleben wir eine ziemlich flotte Einreise in den Senegal.

  • Hygiene-Programm:
    beim Freiluftlavabo anhalten, fröhliches Händewaschen, wozu das Ganze und so?, und weiter
  • Police:
    vor dem Schnürchen parken, Pässe, Carte gris und Permit vor dem Haus links abgeben, plaudern mit den Polizisten über Migration, Austausch der E-Mail-Adresse, alle Papiere wieder zurückerhalten
  • Ministère de la Santé:
    zum nächsten Haus links gehen, Gelbfieber-Impfstatus nachweisen, das Schnürchen fällt
  • Douane:
    vor dem Strick parken, ins Haus links gehen, das CPD in eine ungeduldige Hand stecken, die Effizienz des Officers bewundern, bonne route et bienvenue

Ab nach Guinea

Die Strassen vom Sine-Saloum-Delta nach Tambacounda und dann in den Süden an die guineische Grenze sind heute, anders als vor 6 Jahren noch, in gutem Zustand. Also können wir die Fahrt trotz der vielen Lastwagen geniessen und kommen gut voran.

Die Ausreise aus dem Senegal wird in Kalifourou, 35km vor der Landesgrenze, abgewickelt und ist voll easy. Im Gebäude rechts neben der ersten Sperre wird wortlos das CDP abgestempelt, zurück auf der Strasse tausche ich bei Barri Euros gegen Massen von GNFs (100 € ~ 1'000'000 Guinea Franc) und bei der zweiten Schnur über die Strasse werden wiederum rechts freundlich die Pässe ausgestempelt. Alles in allem dauert es kaum eine Viertelstunde, bis wir unmittelbar westlich des Nationalparks 'Niokolo Koba' entlang weiter nach Süden fahren und uns nach etwa 20km zum Übernachten in die Büsche schlagen.

Anderntags fahren wir ausgeruht, aber gespannt nach Boundou Fourdou, dem kleinen, guineischen Posten grad nach der Landesgrenze. Nachdem bei der Polizei (rechts der ersten Sperre) die Fahrzeugpapiere noch speditiv registriert werden, wird's dann bei der Grenzpolizei (PAF, links der zweiten Sperre) harzig. Obwohl wir die eVisa mit Hinweis auf unsere rollende Unterkunft ohne Hotelreservation erhalten haben, werden wir nun genötigt eine solche nachträglich vorzunehmen und die Rechnung auch gleich zu bezahlen. Zum Glück funktioniert die senegalesische SIM hier gerade noch, doch die Sache stellt sich vor Ort als ziemlich mühsam heraus und wir verlieren Stunden bis wir die nötigen Belege vorweisen können, die PAF unsere Visa beglaubigt und uns weiterfahren lässt.
Nach gut 25km erreichen wir dann in Sambailo, nachdem wir durch einen kilometerlangen engen Spalier blockierter Lastwagen vorgefahren sind, dann das eigentliche guineische Grenzgelände. Viele der Lastwagenfahrer haben sich am Rand der Strasse schon "häuslich" eingerichtet, da sie wochen-, teils monatelang darauf warten, dass ihr Spediteur bzw. Auftraggeber die geforderten Zölle und/oder Schmiergelder bezahlt.
Wir müssen hier zuerst links durch einen Scanner, dann weiter vorne rechts zum Douane, um das CPD abstempeln zu lassen, und noch weiter vorne wiederum rechts zur Polizei, wo Fingerabdrücke und ein Foto erfasst und die Pässe gestempelt werden. Abgesehen von einigen den Zuständigkeiten und Hierarchien geschuldeten skurrilen Prozeduren, läuft hier alles recht zügig und nach einer Stunde sind wir endlich offiziell in Guinea.

Eindrücke vom Sine-Saloum

Rund ums Campement L'Eden

gibt's auch Affenbrot vom Bobab,

entlang dem Strand von Palmarin

einen Blick in vergangene Zeiten und

den Batik-Rasta aus Togo,

beim Saloum-Delta die Mangroven,

die Sektenmilz Chababoul Fayda und

eine Catfish-Zucht

und in Djifer den Fischerhafen.

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