Marokko

Zügig in und durch die Westsahara

Nach Guinea ist es noch weit und es ist definitiv besser dort während der trockenen Monate unterwegs zu sein, also machen wir für unsere Verhältnisse mal ein Bisschen vorwärts.

Nachdem wir in zwei Tagen auf der schnellen Route National via Tata, Akka und Assa und der immerhin geteerten Provinzstrasse nach Labouirat ganz im Süden von Marokko gekommen sind, leisten wir uns dennoch eine „Abkürzung“ und fahren durch die einsamen Hügel nördlich von Haouza auf Pisten in die Westsahara.

Anderntags machen wir einen Zwischenhalt in Smara, wo wir den „Amgala-Fake“ verifizieren, schaffen’s dann aber bis zum Abend noch durch Laâyoune und bis Foum El Oued ans Meer, wo uns Freund Moktar am nächsten Morgen eine Dusche und frisches Wasser offeriert.

Ab da geht’s dann gefühlt endlos der meist öden, windigen und leeren Atlantikküste entlang, wo es auf 750km genau zwei eigentliche Städte gibt: In Boujdour gehen wir zMittag essen und an Dakhla, weit draussen auf der Halbinsel, fahren wir diesmal vorbei. Dazwischen übernachten wir irgendwo unmittelbar an der Klippe und werden von den, an der Küste zuverlässig früher oder später angetippelt kommenden Soldaten freundlich kontrolliert und für zwei erfragte Biere später grosszügig mit frischem Fisch beschenkt.

Seit gestern sind wir nun hier in Lamhiriz nördlich von Bir Gandouz am Strand, nur noch gut 100km von der maurischen Grenze entfernt.

Und wieder einmal Foum Zguid

Den Antiatlas durchqueren wir in der relativ flachen und unspektakulären Region südöstlich von Ouarzazate und nach einer letzten Nacht in einem Oued in den Bergen geht’s definitiv in den Süden …

… und wieder einmal nach Foum Zguid (frühere Berichte) 🙂

Von den Wassermassen, die letztes Jahr hier zerstörerisch aus der nördlich gelegenen Schlucht stürzten, ist nicht viel geblieben, auch keine fruchtbaren Effekte. Der Zustand der Palmerie hier ist ein Elend und wird jedes Jahr schlimmer. Als Folge der seit Jahren grösser werdenden Wasserknappheit Marokkos werden in den Bergen immer mehr Stauseen und Rückhaltebecken gebaut, um Wasser für die Städte und vor allem für die intensive Landwirtschaft bereitzustellen. Für den Süden bleibt da nicht mehr viel, die lokalen Gärten und Palmenhaine trocknen nach und nach aus.

Die Masterarbeit ‚Landwirtschaft und Wassserknappheit in Marokko – Herausforderungen und Chancen im Kontext des Exports in die EU‘ des Deutschen Tobit Hartmann, bietet eine detaillierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

‚Ein Vorstoss in den Hohen, Mittleren und den Sahara-Atlas‘

Im Frühjahr 1926 konnte der Bündner Geologe und Fotograf Moritz Blumenthal an einer schweizerischen wissenschaftlichen Expedition teilnehmen, die Ihn in die Atlas-Gebirgszüge Nordafrikas führte. Darüber berichtete er 1927 in einer „kleinen Plauderei“, wie er dies nannte, in ‚Die Alpen‘, der Zeitschrift des Schweizerischen Alpenclubs.

Ich bin zufällig beim Googeln auf dieses historische Dokument gestossen, das von Bergwelten erzählt, die auch wir in den letzten Jahren häufig bereist haben. Der Text ist vor allem aus geografischer Sicht interessant, aber auch hinsichtlich der Veränderungen bzw. Konstanten der sozialen, technischen und politischen Gegebenheiten in den Atlas-Bergen während der letzten hundert Jahre. Und nicht zuletzt, ist er sprachlich und gerade wegen mancher überkommener Betrachtungsweise ziemlich amüsant.

Tizi Tour im Hohen Atlas

Um die etwas langweilige Strecke von Moulay Bousselham bis Rabat zügig hinter uns zu bringen, nehmen wir ausnahmsweise die Autobahn, verlassen diese aber dort wieder, um direkt nach Süden und durch die Tadla-Ebene an den Nordwestrand des Hohen Atlas zu fahren.

Für die Überquerung des Hohen Atlas, haben wir diesmal die RR317 auserkoren. Die schmale, zwar meist asphaltierte, sich aber oft in schlechtem Zustand befindende und manchmal auch bloss als Piste existierende Strasse serpentiert während 280km in stets über 1200m Höhe hin und her.

Über diverse Tizi, wie die Pässe hier heissen, mit Höhen bis knapp über 3000m, führt sie uns südwärts durch dieses enorme Gebirge, wo in Hochtälern auf mehr als 2000m noch ganzjährig gelebt und Ackerbau betrieben wird, die in manchen Wintern für ein zwei Monate gänzlich von der Umwelt abgeschnitten sind.

Finalmente erreichen wir mit dem Dades-Tal wieder tiefere Gefilde und geniessen die relative Wärme (nachts 7°, statt -2°) an der Barrage ‚Al Mansour ad Dahbi‘ (1114m) kurz vor Ouarzazate.

Slama Marokko

Um 19:45 Uhr landet die Fähre in Tanger Med, um 20:50 Uhr können wir das Schiff verlassen und um 21 Uhr haben wir die marokkanische Grenze bereits hinter uns. Ja klar, die administrativen Einreiseformalitäten werden seit Jahren bereits auf dem Schiff abgewickelt, aber so schnell und problemlos ging das trotzdem noch nie – kein Scanner, keine Sichtkontrollen, nur die obligate Frage nach der Drohne, die sind in Marokko verboten.

Nach einer Nacht auf dem angrenzenden Hafen-Parkplatz, wo wir gleich Geld ab dem ATM und eine SIM-Karte vom Anbieter INWI erstehen, fahren wir auf kleinsten Strassen durch bäuerliches Gebiet im Inland ans Meer, für zwei Nächte nach Moulay Bousselham zum Ankommen hier.