
Anders als in den letzten zwei Jahren brechen wir diesmal zu unserer Fahrt nach Algerien nicht ab Zouérat, sondern direkt von Atar aus auf. Via Chinguetti, dann Ouadane und an El Ghallaouiya vorbei geht's zuerst nach Nordosten bis El Mreiti, wo wir schon seit langem mal hin wollen, und dann nordwärts in Richtung Tindouf. Im Detail lassen wir uns dabei wie immer von Fundstellen alter Grabmonumente leiten, die wir auf Manfreds toller Webseite Archaeoland finden.
Unsere Route ist lang, mit fast 1400 Kilometern bis Tindouf sogar sehr lang, und sie hat weitgehend offroad-Charakter, sind doch zwischen der Übernachtung nach Ouadane und den Trasseeabschnitten der neuen Transsaharienne am letzten Tag nur wenig Abschnitte eigentlichen Pisten zuzuordnen.
Deshalb und weil wir generell eher doucement unterwegs sind, dauert die Reise fast 8 Tage. Das Wetter ist uns derweil wohl gesinnt, tagsüber mit um die 28°C und einer leichten Brise sehr angenehm und nachts unter 10°C richtig erfrischend.
Tag 1 (54 km): Nach dem überraschend nötig gewordenen Flicken eines gepiesackten Pneus und dem notfallmässigen Kauf eines neuen Wagenhebers kommen wir erst gegen 15 Uhr von Atar weg. Es reicht gerade noch über den Ebnoupass und bis zu den Bergen von Zarga.
Tag 2 (229 km): Durch weichen Sand geht's nach Chinguetti, durch noch weicheren Sand via Tanouchert nach Ouadane, dort kurz zur neuen Tankstelle und schliesslich auf der heftig verdünten Wellblechpiste auf dem südlichen Plateau weiter bis in die Grasbüschel beim Tichlaf.
Tag 3 (259 km): Über langgezogene Wellendünen fahren wir zügig in die hügeligen Regionen Edzidil und dann Guenenoua östlich von El Ghallaouiya, wo sich diverse präislamische und neolithische Grabmonumente befinden. Durch das dort zuerst steinige, dann mit Minibüschelgras hart bewachsene, rumpelige Gelände umherlavierend, erreichen wir danach die imposanten Dünenketten des Erg Denâder, einem Ausläufer des Erg Maqteir, denen wir für die nächsten gut 100km voller Genuss folgen.
Tag 4 (143 km): Die Orientierung zwischen den Dünen wird zunehmend schwieriger, der Sand weicher und unberechenbarer, aber es mehren sich auch die steinige Flächen und bald haben wir den Erg hinter uns. Auf den nun folgenden Plateaus mit Hamada, grobem Reg und vielen Steinen ist die Fahrt meist langsam und nur auf dem harten Lehm der dazwischen liegenden, eindrücklich hellen Sebkeths kann gelegentlich etwas Gas gegeben werden. Doch die letzten 30km auf der Sohle breiter Canyons sind schliesslich richtig schnell und angenehm zu fahren. Ein abwechslungsreicher Tag in grossartigen Landschaften!
Tag 5 (138 km): Während einer sehr steinigen Hügelquerung stossen wir zufällig auf zwei schöne Goulette-Gräber und ein Stehlengrab, bevor wir auf meist schnellem Reg und Sand, einer Falaise nach Nordosten folgend, die letzten 40km nach El Mreiti fahren. Beim versiegten Brunnen, anderthalb Kilometer vor dem heute ausschliesslich vom Militär belegten Ort, werden wir abgefangen und zur Basis begleitet. Nach der Aufnahme unserer Daten (Fiche, Pässe, Passeavant), einer freundlichen Befragung (woher, wohin, wann eingereist, Drohne) und der Prüfung unseres geplanten Itinéraires nach Norden, entschuldigen sich die Militärs schliesslich für die längere Verzögerung, kippen uns 40l Diesel in den Tank und wünschen uns bon voyage! Schon bald erreichen wir bei Karêt den vom Capitaine noch erwähnten Brunnen, eigentlich eine moderne Wasserversorgungsanlage, wo Grundwasser aus 50m Tiefe hochgepumpt, aufbereitet und dann von Lastwagen in der Region verteilt wird. Nach einem Tag mit freundlichen Begegnungen im Irgendwo stellen wir uns wie verloren auf die schier endlos weite Regebene ins Nirgendwo.
Tag 6 (145 km): Wir befinden uns im plein-plain-desert-Gürtel des Tiris-Zemmour, zwischen dem Tmimichat-Krater im Westen und dem sagenumwobenen Chegga nah der algerischen Grenze. Nach Norden unterwegs queren wir deshalb immer wieder breit zerfahrene West-Ost-Versorgungsrouten vom Militär und den Goldgräbern. Anfänglich kommen wir auf feinem Reg recht zügig voran, dann geht's durch steinig-sandiges Gebiet lavierend eher harzig vorwärts, aber schliesslich wieder auf topfebenem, harten Sand so richtig schnell bis in die Region Aguelt Nsara.
Tag 7 (189 km): Entspannt geht's nach wie vor auf Reg und hartem Sand, ab und an von kurzen steinigen bzw. grasbüschligen Passagen unterbrochen, zu einem mit 250m Spannweite sehr grossen Antennengrab und dann an weiteren, eher unscheinbaren Gräbern vorbei direkt nach Norden. Als wir am frühen Nachmittag, noch etwa 30km südlich der Grenze zur DARS, in der Ferne Lastwagen vorbeibrausen sehen, sind wir zuerst etwas irritiert, da die Normalroute nach Tindouf deutlich näher der Grenze entlang führt. Bald entpuppen sich die LKWs aber als Baukipper und sie brausen auf dem bereits erstellten Trassee der neuen Transsaharienne, an der hier offensichtlich fleissig gebaut wird (mehr dazu). Da das Gelände nahe am Trassee extrem verkarrt und mit Schutthügeln übersät ist, folgen wir der zukünftigen Strasse meist in deutlichem Abstand.
Tag 8 (136 km + 78 km): Da wir neugierig sind, wie die Streckenführung der neuen Strasse verläuft, beschliessen wir, ihr weiterhin so gut wie möglich zu folgen. So entern wir wohl als die ersten Reisenden freudig das hier schon fertiggestellte Trassee und blochen mit 80 km/h los. Leider ist aber nach einer halben Stunde bereits Schluss mit lustig, da im zunehmend hügeligen Gelände an vielen Abschnitten, insbesondere an den Ouedquerungen noch gebaut wird. Und die Fahrt auf der parallelen Servicestrasse, teils im total verfahrenen, holprigen und tief staubigen Baustellengelände und schliesslich auf dem mit Sandhaufen gesperrten Trassee ist nun mühsam.
Wohltuend dann der Grenzübertritt. Sowohl bei den Mauren, als auch bei den Algeriern werden wir wiedererkannt, freundlich verabschiedet bzw. willkommen geheissen und die Formalitäten verlaufen entspannt und in insgesamt gut zwei Stunden recht flott. Sogar das obligate Warten auf die Eskorte zum Hotel Djebilet in Tindouf wird uns vom Chef de Poste mit Datteln und Orangensäften versüsst.
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