Afrika 2024-2025

Im Ksar von Goulmima

Der Ksar ist der traditionelle, befestigte Dorftyp der Amazigh (Berber), eine Ansammlung von dicht zusammengebauten und verschachtelten Lehmhäusern, manchmal einer Burg ähnlich umgeben von einer Mauer. Heute sind die meisten Ksars vom Verfall bedroht, einige museal restauriert und nur wenige noch bewohnt.

Der hiesige, teilweise renovierte Ksar ist etwa drei Hektaren gross, wurde einst von gegen 1000 und ist heute immerhin noch von etwa 500 Menschen bewohnt. Das liegt unter anderem daran, dass hier brauchbarer Wohnraum an Menschen aus den naheliegenden Bergen oder der Hochebene, die ihre Lebensgrundlage verloren haben, von der lokalen Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung gestellt wird. So bleibt der Ksar am Leben.

Ein Weg in den Hohen Atlas ...

Wir stehen gerade beim Lac Isly auf genau 2300m über Meer mitten im Hohen Atlas. Schon seit gestern Abend ist es hier stark bewölkt und mit genau 0°C auch kalt, doch da sich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken drücken, denken wir, dass sich die angekündigten Schneefälle noch etwas verzögern.

Hierher gekommen sind wir zuerst auf Provinzstrassen in einem grossen Bogen durch die wunderschönen Landschaften nördlich und westlich von Goulmima. Es ging durch Schluchten, über Pässe, an den schmucken Bergdörfern und den sorgfältig kultivierten Gärten und Feldern auf den fruchtbaren Böden entlang der Oueds vorbei bis auf knapp 2000m.

Danach überquerten wir auf der Nationalstrasse den östlichen Hauptkamm des Hohen Atlas via den Tizi Tirherhouzine (2709m) nach Norden und bogen kurz nach Imilchil, beim Lac de Tislit, auf die gute Piste zum Lac Isly ab. Erstaunlich wie auch hier, stets höher als 2150m, gelebt und jede zugängliche Fläche nahe der Flussläufe beackert wird.

... und ein Weg wieder raus

Da sich die Bewölkung noch mehr auflockert und der Sonne erlaubt zu wärmen, beschliessen wir den Lac Isly zu umwandern. Der See liegt im Parc National du Haut Atlas Oriental und wird von der Agence Nationale des Eaux et Forets als 'Espace Lac Isly' propagiert. In den heissen Jahreszeiten ist er, so wie die ganze Gegend hier um Imilchil, ein beliebtes Ausflugsziel und ziemlich crowded.

Nicht so heute. Wir geniessen einen einsamen und ruhigen Spaziergang in dieser beeindruckenden Gebirgslandschaft.

Nach 6km und anderthalb Stunden zurück beim Bus sind die Wolken wieder dicht und es zieht ein kalter Wind, also machen wir uns schleunigst auf die Räder. Und tatsächlich, schon nach 15km auf dem Tizi Ouzanni (knapp 2400m) fliegen einige Schneeflocken in der Luft umher. Zum Glück blieb's bei den wenigen Flocken, denn auf den folgenden kurvigen Bergsträsschen, ab Tassent via Tagleft nach Westen zur Barrage Bin El Ouidane wird's manchmal nicht nur steil, sondern sehr steil.

Durch Agriculture ans Meer

40km von der Barrage Bin El Ouidane entfernt, am Nordwest-Rand des Haute Atlas, tut sich unvermittelt der Blick auf das riesige Flach- und Tiefland Zentralmarokkos auf, das, begrenzt durch die Atlantikküste und grob der Linie Casablanca-Beni Mellal-Marrakesh-Essaouira, in etwa der Fläche der Schweiz entspricht. Das Gebiet ist geprägt von der Landwirtschaft, es reihen sich Äcker, Felder, Plantagen und Gärten endlos aneinander. Das viele Grün hat aber seinen Preis.

Auf abgelegenen Strassen gelangen wir erstmal über die Tadla-Ebene von Beni Mellal zur Barrage Al Massira, wo vom Overview-Platz weit und breit kein Wasser zu sehen ist, aber damit die dramatische Wasserkrise Marokkos auf drastische Weise umso augenfälliger. Wir waren auf dieser Reise bereits an vier Stauseen und alle hatten einen extrem tiefen Pegel, doch das hier ist krass: Der zweitgrösste Stausee Marokkos fasst momentan weniger als 1% seiner Kapazität.

Später in der Region Doukkala, für deren Wasserversorgung die Barrage zuständig ist, ist es im hügeligen Ostteil, wo die traditionelle der Massentierhaltung zu weichen scheint, schon eher trocken, doch im flachen Teil im Westen bis an den Atlantik ist von der Dürre vorläufig wenig zu merken.

Nouvel An an der Plage Sdau

Seit dem 30. Dezember sind wir hier an der Plage Sdau, zwischen dem Strand und den Gärten und Feldern der hiesigen Bauern an den Hängen zum Cliff direkt hinter uns.
In der ersten Nacht musste ich zwar unseren schönen Platz gegen die sechs Organwalter, die um Mitternacht wie Banditen lärmig ans Auto polterten und zu begründen versuchten, warum wir hier nicht bleiben könnten, im Pyjama verteidigen: "Je suis le seul responsable de notre sécurité et il n'est absolument pas besoin que vous voyiez nos passeports - point." Dabei blieb ich und irgendwann hat das dann verfangen und sie zogen ab.
Seit da ist's aber gut und die Leute, die hier etwas zu tun haben, die Bauern, Hirten und Fischer und auch die Soldaten vom entfernten, kleinen Küstenposten sind sowieso einfach nur freundlich und heissen uns willkommen: "Passez de bons moments ici au Maroc."

Diese Freundlichkeit, der Lärm der Brandung, die Weite des Meeres und die Ruhe dieses Ortes insgesamt lässt uns das letzte Jahr, das uns persönlich wenig Gutes brachte, versöhnlich abschliessen.

Auf unseren Spaziergängen werden aber auch die Herausforderungen, mit denen die fleissigen Kleinbauern hier im Jahr 2025 weiterhin konfrontiert sein werden, klar.

Via Safi nach Essaouira

Die erste Fahrt im neuen Jahr führt uns via Safi ins Hinterland von Essaouira.

Wir sind dort zu Besuch bei einem uns vom letzten Mauretanienaufenthalt bekannten Pärchen, das dort in einem ausgesprochen stilvoll gestalteten Haus mit lauschigem Garten lebt, und geniessen zwei lässige und gemütliche Tage mit vielen interessanten Gesprächen bei sehr gutem Essen - lieben Dank Euch Zweien!

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