Marokko

Durch Agriculture ans Meer

40km von der Barrage Bin El Ouidane entfernt, am Nordwest-Rand des Haute Atlas, tut sich unvermittelt der Blick auf das riesige Flach- und Tiefland Zentralmarokkos auf, das, begrenzt durch die Atlantikküste und grob der Linie Casablanca-Beni Mellal-Marrakesh-Essaouira, in etwa der Fläche der Schweiz entspricht. Das Gebiet ist geprägt von der Landwirtschaft, es reihen sich Äcker, Felder, Plantagen und Gärten endlos aneinander. Das viele Grün hat aber seinen Preis.

Auf abgelegenen Strassen gelangen wir erstmal über die Tadla-Ebene von Beni Mellal zur Barrage Al Massira, wo vom Overview-Platz weit und breit kein Wasser zu sehen ist, aber damit die dramatische Wasserkrise Marokkos auf drastische Weise umso augenfälliger. Wir waren auf dieser Reise bereits an vier Stauseen und alle hatten einen extrem tiefen Pegel, doch das hier ist krass: Der zweitgrösste Stausee Marokkos fasst momentan weniger als 1% seiner Kapazität.

Später in der Region Doukkala, für deren Wasserversorgung die Barrage zuständig ist, ist es im hügeligen Ostteil, wo die traditionelle der Massentierhaltung zu weichen scheint, schon eher trocken, doch im flachen Teil im Westen bis an den Atlantik ist von der Dürre vorläufig wenig zu merken.

Nouvel An an der Plage Sdau

Seit dem 30. Dezember sind wir hier an der Plage Sdau, zwischen dem Strand und den Gärten und Feldern der hiesigen Bauern an den Hängen zum Cliff direkt hinter uns.
In der ersten Nacht musste ich zwar unseren schönen Platz gegen die sechs Organwalter, die um Mitternacht wie Banditen lärmig ans Auto polterten und zu begründen versuchten, warum wir hier nicht bleiben könnten, im Pyjama verteidigen: "Je suis le seul responsable de notre sécurité et il n'est absolument pas besoin que vous voyiez nos passeports - point." Dabei blieb ich und irgendwann hat das dann verfangen und sie zogen ab.
Seit da ist's aber gut und die Leute, die hier etwas zu tun haben, die Bauern, Hirten und Fischer und auch die Soldaten vom entfernten, kleinen Küstenposten sind sowieso einfach nur freundlich und heissen uns willkommen: "Passez de bons moments ici au Maroc."

Diese Freundlichkeit, der Lärm der Brandung, die Weite des Meeres und die Ruhe dieses Ortes insgesamt lässt uns das letzte Jahr, das uns persönlich wenig Gutes brachte, versöhnlich abschliessen.

Auf unseren Spaziergängen werden aber auch die Herausforderungen, mit denen die fleissigen Kleinbauern hier im Jahr 2025 weiterhin konfrontiert sein werden, klar.

Via Safi nach Essaouira

Die erste Fahrt im neuen Jahr führt uns via Safi ins Hinterland von Essaouira.

Wir sind dort zu Besuch bei einem uns vom letzten Mauretanienaufenthalt bekannten Pärchen, das dort in einem ausgesprochen stilvoll gestalteten Haus mit lauschigem Garten lebt, und geniessen zwei lässige und gemütliche Tage mit vielen interessanten Gesprächen bei sehr gutem Essen - lieben Dank Euch Zweien!

Und nochmals über den Haute Atlas

Auf der Weiterfahrt nach Süden wollen wir die dicht besiedelte und verkehrsreiche Agglo Agadir vermeiden. Also geht's von Essaouira auf kaum befahrenen Strassen direkt nach Südosten, zuerst durchs hügelige Vorgebirge stets ansteigend bis auf das 'Grand-Plateau des Ida ou Bouzia', dann steil runter ins breite Oued Issen und auf der anderen Seite kurvig in die Höhen des westlichen Hauptkamms des Hohen Atlas.

Von unserem Übernachtungsplatz auf 1663m windet sich die Strasse auf weniger als 20km um mehr als 1300Hm wiederum steil und kurvig runter nach Süden in die Souss-Ebene, die wir entlang Plantagen und riesigen Plastiktreibhallen bis an ihr östliches Ende bei der Barrage Aoulouz durchfahren.

Der gerade erstaunlich gut gefüllte Stausee ist heute eine der Lebensadern des übernutzten Intensiv-Landwirtschaftsgebietes des Souss, das sich von hier über etwa 150km bis zum Atlantik erstreckt. In den letzten 20 Jahren ist der Grundwasserspiegel in der Ebene von 30m auf eine Tiefe von 270m gesunken, ein weiteres Indiz für den dramatischen Wasserstress der sich in Marokko anbahnt.

Über den Jebel Siroua und nach Süden

Schon 10km östlich der Barrage Aoulouz kommen wir zur nächsten, der Barrage Mokhtar Soussi, wo die Bauarbeiten zur Erhöhung der Staumauer von 50 auf 100m und damit der Kapazität von 40 auf 280 Mio. m3 voll im Gange sind. Der deshalb momentan leere Stausee liegt am Westfuss des Djebel Siroua, einem eigenständigen Bergmassiv zwischen dem Hohen Atlas und dem Anti-Atlas, aus welchem er dereinst hoffentlich auch wieder sein Wasser beziehen wird.

Gleich hinter dem "See" führt uns die gute Regionalstrasse weiter nach Osten und kontinuierlich in die wenig besiedelten, steinigen Höhen des Siroua. Ab dem Dörfchen Askaoun auf knapp 2000m geht's dann auf einer vorerst breiten, später schmaler werdenden Schotterpiste weiter, die sich ab etwa 2400m Höhe in einen teils schlammigen, teils schneebedeckten Pfad verwandelt. Die Überquerung des Tizi N'Melloul (2515m) wird so auf 7km Länge zu einer recht rutschigen Sache, doch die zwei steilen Haarnadelkurven in der Abfahrt liegen westwärts und netterweise bereits in trockenem Gelände und wir stossen unten auf 2000m schadlos wieder auf Goudron.

Anderntags geniessen wir die gemütliche Fahrt über weitere zwei Tizis in grandioser Landschaft nach Süden raus aus dem Djebel Siroua und dann dem Oued Ou Hmidi entlang und an unzähligen Bienenkästen vorbei durch den Anti-Atlas nach Foum Zguid.

Foum Zguid muss sein

Wie jedes Mal in Marokko zieht es uns einmal nach Foum Zguid, an den Ort, wo das Wasser des Oued Zguid den grössten der Einschnitte durch den Jebel Bani am Südrand des Anti-Atlas gefressen hat. Welche Wassermassen sich hier während starker Regenfälle ungeduldig und kraftvoll in die Wüste zwängen können, wurde anfangs Oktober wieder einmal deutlich und ist bei der Einfahrt in den Ort unübersehbar.

Obwohl das Städtchen nur unweit des Parc National du Lac Iriki mit den bekannten Dünen des Erg Chegaga liegt, ist es für Touristen und Reisende eher ein Durchgangsort und einfach geblieben.

Und wie jedes Mal in Foum Zguid stellen wir uns für ein paar Tage auf den charmanten Camping 'Khayma Park', der im ruhigen Teil der Stadt am Rand der Palmerie liegt. Von hier zu den legendären Frites im Resto 'Chegaga' am zentralen Rondell kommt man zu Fuss in einer knappen Viertelstunde und in der anderen Richtung befindet sich etwa gleich weit entfernt der neue Souk am Stadtrand hinter der Moschee. Dieser ist zwar nicht mehr so urchig wie der alte im Stadtzentrum, bietet aber viel mehr Platz und wird so seiner regionalen Bedeutung gerecht.

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