Afrika 2023-2024

Felszeichnungen in Ait Ouazik

Felsgravuren aus der Jungsteinzeit (10'000 - 2'000 v.u.Z.) gibt es in Marokko zuhauf und wir haben auch schon viele davon besucht. Die verschiedenen Techniken (geritzt, gepunzt, geschabt) und die je nach Epoche unterschiedlichen Motive machen sie immer wieder interessant.

Die bedeutende Fundstelle bei Ait Ouazik liegt etwas erhöht am Rand eines prähistorischen Sees und umfasst geritzte Darstellungen von Tieren und Fangwerkzeugen, die etwa 8'000 Jahre alt sein sollen.

Nach Foum Zguid ...

Eigentlich wär's nah, auf der RN17 via Zagora würden bequem drei Stunden nach Foum Zguid reichen. Doch wir wollen unserer diesmal gebirgslastigen Durchquerung Marokkos, nun im Antiatlas, treu bleiben.
Als Nebeneffekt erhoffen wir zudem, weitere Begegnungen mit exoplanetarischen HIs zu vermeiden.

Also machen wir den "boucle nord", fahren zum Übernachten auf den Tizi N'Tazazert (2312m) eben nach Norden, dann runter ins Dadestal, diesem entlang westwärts nach Ouarzazate, wo's eine 300DH Busse für's Gurt-nicht-tragen, dafür aber Bier im Carrefour gibt, und auf der 'Route de l'Oasis de Fint' wieder und weiter in den Süden.

Statt drei flache Stunden, werden es so halt drei steile Tage bis ins lässige Foum Zguid.

... und weiter bis Tafraoute

Nach drei entspannten Tagen in Foum Zguid starten wir unsere zweite Antiatlas-Etappe.

Auf einer Piste im breiten Oued am Südrand der Gebirgskette fahren wir zuerst nach Westen, bis wir auf eine kleine Strasse treffen, die nach Norden in die Berge führt. Auf der öfter von Hochwasser und Bergrutschen stark beschädigten Strasse, geht's durch grüne und gepflegt Oasen bis in den fruchtbaren Canyon von Agouinane.

Was uns hier im Talkessel erwartet, ist schlicht spektakulär: Auf einer Horizontaldistanz von 600m sind auf einem 1.5km langen, gerade so Sprinterbreiten, sich direkt am Abgrund entlang windenden, teils betonierten Weg 180 Höhenmeter zu überwinden - Pech hat der, dem hier jemand entgegen kommt 😕

Bis Tafraoute sind wir danach ebenso auf einsamen Geröllpisten durch Oueds, wie auch auf recht guten Strassen eng durch Oasen, serpentinig über Pässe und im hügeligen Hochland so zwischen 1100m und 1900m rauf und runter unterwegs. Die karge, manchmal öde Landschaft hier im westlichen Antiatlas kontrastiert immer wieder mit der scheinbar boomenden Bautätigkeit.

Rund um Tafraout

Tafraout ist schon eher touristisch, doch zumindest in der Winterzeit ist's auf dem kleinen Markt und dem farbigen Souk, wo Babouches, Safran, Arganöl und urchige Metallwaren feil gehalten werden, sympathisch ruhig.

Berühmt ist das Städtchen insbesondere für seine Lage inmitten einer bizarren Felslandschaft direkt am Südfuss der westlichsten 2000er des Antiatlas.

Doch nebst dem bröseligen Granit, der mit Farbe vor Erosion geschützt werden muss, gibt es hier zähes und stacheliges Leben, Jäger, die der Antilopenkacke nachsteigen und Ziegen, die so richtig auf die Blätter der Arganbäume stehen.

En panne !

Der Plan ist, eine Variante der Route von 2018 nach Dakhla zu fahren, ausgehend von der RN14 zwischen Smara und Laâyoune, statt via Bir Anzarane diesmal östlicher via Gleibat El Foula.
Eigentlich sind wir gut unterwegs in der südlich des Seguiet El Hamra total platten Westsahara, wo die höchsten Hügel wohl die Aushübe bei den Phosphatminen um Bou Craa sind. Der Wassertank ist voll und der Vorrat an Diesel und Pasta für die extrem einsamen 400km ausreichend. Wir haben bereits einen der alten, befestigten Wälle des marokkanischen Militärs überquert und die ersten 60km hinter uns, als wir uns nahe einer Akazie, mit Seltenheitswert und deshalb für einen Mittagshalt auserkoren, in einer kleinen Weichsandmulde festfahren.
Was normalerweise Routine ist, nämlich Reifendruck verringern, Untersetzung zuschalten und slowly slowly rausfahren, endet diesmal begleitet von einem lauten, trockenen Knall mit dem Totalausfall des Antriebsstrangs.

Wir sind am Arsch und brauchen Hilfe, das steht definitiv fest.
Doch irgendwie haben wir auch mega Schwein. Da wir Luftlinie erst 15km von der Strasse Bou Craa-Guelta Zemmour entfernt sind und es hier wirklich flach ist, ist Abschleppen denkbar und mit dem Handy auf dem Dach vom Bus gibt's, zwar schwach und völlig instabil, sogar Telefonie und manchmal Internet.
Und noch mehr Glück haben wir, dass wir einen so gut vernetzten Freund wie Chris haben, der in Laâyoune den Belgier Raf kennt, dessen Familie umgehend einen Abschleppdienst organisiert. Mohammed von Essalam Assistance ruft noch am Abend an und verspricht morgen früh einen Lastwagen und einen Landi vorbei zu schicken.

Mit grosser Dankbarkeit gegenüber Raf und seiner Familie, gegenüber Chris, sowie auch Mark und René, für die spontane Hilfsbereitschaft , steigen wir spät nachts hoffnungsvoll in die Koje - inshallah ...

Die Bergung

Viel zu früh sind wir wach, wir wollen ja wissen, wie's um unsere Bergung steht. Doch mit Telefonieren ist grad nichts, das Réseau ist zu wackelig. Aaaa..synchron ist deshalb angesagt: Mail schreiben, auf Verbindung warten, nochmals auf Verbindung warten, Mail lesen. Seine Leute kämen, doch der Typ mit dem Landi, der, welcher unsere Akazie kenne, hätte etwas Verspätung, schreibt Mohammed. Um 12 Uhr dann doch noch ein Anruf, sie seien unterwegs, jetzt etwa bei Boucraa und wir sollten ihnen Zeichen machen, wenn wir sie sehen.
Und tatsächlich, es ist 14:15 Uhr und wir stehen mit einem Spiegel auf der kleinen Anhöhe nebenan, sehen wir etwas, noch weit weg, aber spurstangenspielschlängelnd auf uns zukommen. Hilfe naht also, kommt näher und näher und ungläubig schauen wir schliesslich zu, wie sich zwei fröhliche, junge Typen mit ihrem Papamobil alias Santana Ranegrover im Sand neben uns festfahren, aussteigen, Wurzelholz sammeln und im Schatten der Akazie gemütlich beginnen, Tee zu kochen.

Meiner Enttäuschung und meiner Einschätzung, dass es wohl schwierig werden würde uns bei einem Gewichtsverhältnis von 1:3 aus dem Sand zu ziehen, begegnen sie mit gut gelaunter Zuversicht. Ob der Grund dafür Ignoranz gegenüber der Physik ist, sprachliches Unverständnis (ich spreche kein Arabisch) oder einfach Gottvertrauen?
Alles miteinander! Denn eineinhalb Stunden später, nach etlichem Zerreissen der Abschleppbänder und -ketten, nach diversen unerklärlichen Manövern und grenzwertigen, aber hilfreichen Einsätzen der hochgelegten Seilwinde, sind wir 25m weiter und tatsächlich auf härterem Grund - hamdullilah!

Danach geht's trotz einigen Stopps, zwecks Verknoten des gerissenen Abschleppbandes und Nachfüllen des Kühlerwassers beim Ranegrover, gut vorwärts. Nach einer Stunde sind die 20km über meist harten Sand bis zur RN5 geschafft und nach einer weiteren Dreiviertelstunde und nochmals 20km auf Asphalt kommen wir beim Berge-LKW an.

Mit dem Lastwagen, den Sprinter im Huckepack, fahren wir dann noch die 125km nach Laâyoune, der Hauptstadt der Westsahara, wo wir schliesslich um 21 Uhr direkt vor der Garage Extra Tec auf der Strasse abgeladen werden.

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