Westsahara

Ziel Mauretanien

Nach drei Tagen Dakhla geht es weiter: Ziel Mauretanien.

Die rund 350km lange Strasse führt durch faszinierend öde, manchmal wie eine riesige Baustelle anmutende Landschaft, doch es gibt kaum Verkehr und wir kommen schnell voran.

12km vor dem kleinen Ort Barbas gibt's dann etwas Abwechslung: Am Strassenrand liegt ein mauretanisches Auto, das nach einem Schlagloch einen Platten erlitt und aus der Kurve flog. Das rechte Vorderrad war horizontal abgedreht und die Antriebswelle getriebeseitig herausgerissen. Für mich sah die Sache unrettbar aus, der Fahrer war aber anderer Meinung. Also holte ich den Wagenheber, die Sandbleche und einen Holzblock und half den Wagen hoch zu hieven und zu stabilisieren. Dann machte sich der Fahrer zielstrebig ans Werk und demontierte die ganze Radaufhängung. Irgendwie schien er das nicht zum ersten Mal zu machen, hatte erstaunlich viel Werkzeug dabei und schaffte es mit Turbanstoff und viel Fett das Gelenk der Antriebswelle wieder fest zu platzieren. Die Radaufhängung war zum Glück nicht gebrochen, sondern nur zwei grosse Schrauben, aber auch die hatte er dabei. Nachdem dann noch das Ersatzrad montiert war, zog ein weiterer Dazugestossener den Wagen wieder auf die Strasse. Irgendwo tropfte zwar Hydrauliköl, aber der Chlapf fuhr nach zweieinhalb Stunden tatsächlich wieder - Inshallah bis Nouadhibou 😕

Grenzerfahrung

Ausreise Marokko

  • vor dem Grenzareal zwischen Lastwagen warten, warten, warten, ...
  • Anweisung aufzuschliessen, obwohl dann kein Lastwagen mehr durchkommt
  • Zusammenschiss, weil kein Lastwagen mehr durchkommt
  • Tor zum Grenzareal wird für jeden einzeln geöffnet, nun für uns
  • Anweisung im Grenzareal 100m weiter vorne zu parken
  • und jetzt? ... aha: 100m zurück laufen zur Police zur Passkontrolle
  • etwas weiterfahren und warten ...
  • und jetzt? ... aha: zum kleinen Gebäude 100m vorne rechts laufen und beide Auto-Zolldokumente registrieren lassen
  • zum Scannerhangar fahren und eines der Zolldokumente abgeben
  • Einfahrt in den Scannerhangar, zusammen mit zwei französischen Camper
  • alle Personen raus aus dem Hangar, Scanner fährt über die drei Fahrzeuge
  • Ausfahrt aus den Scannerhangar auf einen Parkplatz zur Zollkontrolle
  • Zöllner will die zwei Auto-Zolldokumente, aber das abgegebene haben wir nicht zurückbekommen
  • Zeugen wissen, dass ein Beamter im Scannerhangar die Dokumente wieder herausgegeben hat, aber alle inkl. unseres vermutlich den Franzosen
  • einer der Franzosen sollte es also haben, es taucht aber nicht auf
  • gehe zurück in den Hangar und die Beamten dort schreiben etwas auf das dritte Exemplar, mit welchem ich dann wie vorgesehen im Zollbüro den ersehnten Stempel erhalten sollte
  • werde aber noch darüber belehrt, dass ich das andere Dokument nicht hätte verlieren sollen
  • werde wütend und habe Streit mit dem Beamten X
  • gehe die 300m zurück zum Zollbüro
  • Beamter dort stellt sich stur und sagt, ich bräuchte beide Dokumente
  • gehe entnervt die 300m zum Parkplatz der Zollkontrolle zurück
  • X taucht auf und kann sich nun irgendwie doch noch an unser Dokument erinnern
  • X und der vom Zoll wollen, dass die Franzosen nochmals nachschauen, ob sie es haben
  • einer der Franzosen nervt sich und stellt sich stur
  • plötzlich hatte aber genau der Franzose das Papier dann doch in den Händen ... es war in seinem Hosensack!
  • X wird stinksauer, scheisst den Franzosen zusammen und beschuldigt ihn, ein Saboteur zu sein, das alles extra gemacht zu haben
  • ich gehe wieder die 300m zurück zum Zollbüro und der Beamte stempelt mir das Papier ab, findet aber "hast du es also doch noch gefunden" - ich kann mich beherrschen - grrr...
  • wieder zurück beim Zoll-Parkplatz taucht X auf und entschuldigt sich bei mir (sehr sympathisch)
  • 100m weiter mit dem Auto, wieder eine Barriere mit Beamtem in Häuschen, warten ...
  • steige aus und erfahre, dass hier die Pässe für die Passkontrolle bei der Gendarmerie registriert werden müssen, warten ...
  • Pässe werden registriert
  • 50m weiter vorne Passkontrolle bei der Gendarmerie: Pässe abgeben und was wohl: warten ...
  • Zusammenschiss, weil mein Auto im Weg stehe
  • Zusammenschiss, weil ich es über irgendeine unsichtbare Linie zu weit nach vorn stelle
  • werde wütend, schimpfe laut vor mich hin: 'che cazzo' ecetera ...
  • werde zurück bei der Gendarmerie von einem amüsierten Italiener freudig angesprochen
  • werde mit 'Stephan' aufgerufen und kriege die Pässe über diverse Köpfe hinweg mit Ausreisestempel zurück
  • zurück zum Auto, steige ein und fahre los
  • Pfiffe? - oha, da sind nochmal zwei Beamte, die wollen den gestempelten Pass auch sehen
  • nach mehr als drei Stunden dürfen wir endlich Marokko verlassen und keiner hat je einen Blick ins Auto geworfen

 
Sahara Libre

  • 4km von den Marokkanern kürzlich illegal asphaltierte Strasse
  • Autowracks, Müll, gestrandete Menschen, ...
  • 1km übelste Piste über Steinplatten und durch Sand, zwischen Minen hindurch

 
Einreise Mauretanien

  • Einfahrt durch ein gemauertes Tor auf das sandige Grenzareal
  • sind sofort im Visir von 'Helfern', Geldwechslern und SIM-Karten-Verkäufer
  • die Helfer sagen wir sollten rechts parken, wir parken links
  • gehen links ins Büro der Gendarmerie: persönliche Daten werden erfasst und genaue Reiseroute erfragt
  • etwas weiter vorne, nochmals links, geht's ins Visabüro: Fotos mit Webcam und elektronische Fingerabdrücke für biometrische Visa (30 Tage gültig, 2x 55 Euro)
  • wieder draussen, wechseln wir Euros gegen Ouguiyas und kaufen eine SIM
  • fahren weiter und durch ein nicht abgesperrtes Tor auf einen harten Platz
  • aber oha, Pfiffe und Schreie? - das war zu weit, also zurück und rechts im Sand parken
  • gehen rechts ins Zollbüro, um eine 'Soumission pour Autorisation de Circuler de Vehicule Etranger' auszufüllen und zu unterschreiben (30 Tage gültig, das konnte ich selber frei eingetragen, 100 Dirham)
  • fahren wieder zum Tor, wo nun auch ein Polizist vor einem Kettchen sitzt
  • der kommt zum Auto und sagt: 'donne moi cadeau'
  • ich erkläre ihm, dass ich Mitglied einer europäischen Anti-Korruptionskommission sei
  • er erklärt mir ausschweifend, dass man ja wohl mal einen Freund nach einem Cadeau fragen darf
  • ich erkläre ihm, dass er ja gar nicht mein Freund sei
  • er öffnet das Kettchen, wir fahren durchs Tor und sind in Mauretanien
  • sofort links parken und obligatrische Haftpflichversicherung abschliessen (30 Tage gültig, 40 Euro)
  • nach anderthalb Stunden geht's nun auf Asphalt weiter nach Nouadhibou und auch hier hat sich keiner für unser Auto bzw. dessen Inhalt interessiert
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