Afrika 2017-2018

Die Piste nach Merzouga

In Boudenib haben wir Glück. Erst vor zwei Monaten wurde hier eine Tankstelle eröffnet und wir können den fast leeren Tank füllen und nach dem Einkaufen auf dem Markt direkt die lange Piste nach Merzouga in Angriff nehmen.

Die Route verläuft zuerst über eine Regebene auf einem Hochplateau (1000-1100müM) und ist recht anspruchsvoll: tiefe Gräben in Oueds, immer wieder Weichsandstellen und grosse Felsbrocken auf dem Weg. In der bald sehr einsamen Gegend begegnen wir den ganzen Tag keinem einzigen Fahrzeug und kaum Menschen.

Trotzdem kommen wir am Rand des Plateaus, nahe bei unserem Übernachtungsplatz, zu einer Lektion im Fladenbrot backen, erteilt von zwei aus dem Nichts aufgetauchten Männern.

Anderntags kommen wir gut voran und in der Nähe eines Militärpostens auf die steile, über Geröll führende Abfahrt vom Plateau in die darunterliegende Ebene. Im Schritttempo fahren wir dort die 300Hm hinunter. Dann geht's an diversen kleinen Palmenoasen vorbei zum Nordrand der hohen Dünen des Erg Chebbi, wo wir übernachten.

Das letzte Stück dieser Etappe verläuft am Ostrand des Ergs entlang nach Merzouga, wo es gar nicht mehr einsam ist. Hier sind die "Dünentouristen" vom nahen Merzouga kommend in ganzen SUV-Karawanen an der Ergumrundung - eigentlich verständlich, angesichts der abenteuerlichen Sandfahrten durch diese wunderschöne Landschaft.

Rund um den Jbel Begaa

Da uns der Rummel rund um Merzouga nicht gefällt und noch Sprit im Tank ist, verlassen wir den Ort sofort wieder in Richtung Jbel Begaa den wir am frühen Nachmittag erreichen. Wir stellen den Camper auf eine Anhöhe und geniessen die geruhsame Wanderung auf den sandverwehten, schwarzen Berg mit seinem fossilienreichen Gestein und der Weitsicht auf dem Gipfel.

Am nächsten Tag umrunden wir den Berg und den anliegenden Erg Znegui meist auf topfebenen Regebenen. Die Region ist mineralhaltig, das zeigen die kleineren verlassenen Abbaustellen entlang der Piste und die Geisterstadt Mfiss, alles noch Installationen aus der Kolonialzeit.

Die Umrundung endet wieder in Merzouga, wo wir schliesslich doch noch eine sympathische Auberge finden und zwei Nächte bleiben.

Viel Sand bis kurz vor Sidi Ali

Nach einem kurzen Stück Goudron bis Taouz, biegen wir auf eine vorerst harte Lehmpiste ab, an der es erstmal prähistorische Felsgravuren zu sehen und frischen, würzigen Wüstenruccola zu ernten gibt.

Bald erreichen wir dann den kleinen Weiler Ramlia, nach welchem das berüchtigte Oued Rheris zu durchqueren ist. Das Oued ist 5km breit und ist gefüllt mit Tonerde, die von den nach Regenfällen immer mal wieder gewaltigen Wassermassen herangeschwemmt wird. Durch die Sonne getrocknet, wird sie zuerst hart, zerbröselt dann aber bald zu feinstem Staub, dem sogenannten 'Fech Fech'. Dieser liegt hier teilweise knietief und ist sehr schwierig zu durchfahren. Um die Auflage und damit die Traktion zu erhöhen, lassen wir einen Drittel der Luft in unseren Reifen ab und überwinden so die Passage problemlos, aber gefühlt mehr schwimmend als fahrend.

Nach einigen weiteren sandigen Kilometern wird die Piste steiniger, aber die tiefliegende Abendsonne lässt keine Weiterfahrt gegen Westen mehr zu. So übernachten wir, wo wir sind, in den Bergen vor Sidi Ali Tafraoute.

Staubig bis Tagounite

Die kurz Strecke bis Sidi Ali Tafraoute führt auf harter Piste dem Oued El Maider entlang, wo wir über die vielen Bienenkästen erstaunt sind. Es gibt zwar Brunnen, was auch Feldwirtschaft ermöglicht, doch das einzige was gerade hier blüht, ist der wilde und auch der extra angebaute Ruccola.

Nach der Querung des Lac Maider geht's über topfebene, schnell zu fahrende Regebenen bis Oum Jrane und über einen steinigen Pass ins Oued Mird. Hier am Rande eines Hochplateaus gibt es so viel Grundwasser, dass das eigentlich trockene Oued auf einer Länge von 30km fruchtbar gemacht werden konnte.

Weiter im Süden werden wir dann an einem Militärposten an der Weiterfahrt auf der geplanten Route gehindert und müssen auf eine andere Piste nach Westen ausweichen. Schon am Nachmittag ist ein starker Wind aufgekommen, der sich mittlerweile zu einem ekligen Staubsturm entwickelt hat, der auch die Sicht stark behindert und nachts den Camper durchschüttelt.

Anderntags geht es weiter über steinige, steile Pässe und staubige Ebenen. Der Wind hält an und mit knirschenden Zähnen und sandigem Luftfilter erreichen wir Tagounite.

Über Stock und Steine nach Foum Zguid

Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt und getankt haben, verlassen wir die vom Wind mit Staub geschwängerte Stadt Tagounite in Richtung Westen. Auf der zwecks Erschliessung der Landwirtschaft neu gemachten Piste kommen wir zuerst schnell voran.

Nach circa 40km verschlechtert sich die Piste abrupt und es gibt ausser den Spuren der Kleinmotorrädern der Nomaden (der Marke Docker aus China) kaum Hinweise darauf, dass sie überhaupt noch befahren wird. Wir ergattern uns noch die ersten paar Kilometer und übernachten bei einigen Palmen neben einer Wasserstelle in einem Oued, in der Nähe eines Nomadenfriedhofs.

Am nächsten Tag hötterlen wir scheinbar endlos entlang eines Tafelbergs, zahllose kleine Oueds querend, kaum merkbar ansteigend, über Stock, Stein und Platten auf eine Passhöhe zu.

Wie man hier nun über die steilen 300Hm ins Tal runter kommt, kann im wahrsten Sinn als spannend bezeichnet werden.

 
Jedenfalls nennen wir unser Fahrzeug ab sofort respektvoll 'The Dancing Chameau' und sind ihm dankbar - uff!

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