Das Projekt einer Strasse von der westalgerischen Stadt Tindouf nach Zouérat in Nordmauretanien wurde schon Ende 2021 bei einem Treffen der Staatspräsidenten von Algerien und Mauretanien in Alger ins Leben gerufen. Das Vorhaben ist, die bisherige, gegen 800km lange und mühsame Wüstenpiste via Bir Moghrein, durch eine Asphaltstrasse mit moderner Infrastruktur zu ersetzen. Dadurch würde die mauretanische Nationalstrasse N1 vervollständigt und das Land an das Strassennetz Algeriens angeschlossen.
Zusammen mit der an der algerisch-maurischen Grenze geplanten Freihandelszone soll so der "kommerzielle und industrielle Austausch" zwischen Algerien und Mauretanien, schliesslich aber auch zwischen dem östlichen Maghreb und der ganzen Region Westafrika gestärkt bzw. gefördert werden. Die Etablierung dieser neuen Transsaharienne ist insbesondere deshalb sinnvoll, weil die Handelswege über Tamanrasset in den Niger bzw. über die Tanezrouft nach Mali aufgrund der aktuell instabilen Situation in der Sahelzone stark beeinträchtigt sind und die Atlantikroute ausschließlich von den Marokkanern kontrolliert wird.
Das erste Mal haben wir von diesem Mega-Projekt gehört, als wir im Februar 2023 in Tindouf zufällig mit algerischen Ingenieuren ins Gespräch kamen und ich habe basierend auf Presseberichten später einen ersten, spekulativen Bericht dazu geschrieben. Unterdessen sind wir aber bereits dreimal bis in die nördliche Spitze der mauretanischen Region Tiris Zemmour gereist, um dort nach Algerien einzureisen, und konnten uns vor Ort zum Stand der Dinge umsehen.
Februar2024
Von Arbeiten an einer neuen Strasse war damals unterwegs rein gar nichts zu sehen. Aber neben dem alten containerbasierten Grenzgelände bei Moustapha Ben Boulaid/Hassi Abdala 75 glänzte überraschend eine riesige, neue Anlage, die gerade ihren letzten Schliff erhielt. Sie muss in weniger als drei Monaten aus dem Boden gestampft worden sein, denn auf Satellitenbildern von Anfang Dezember 2023 gab's davon noch keine Spur. Anlässlich der Einweihung dieser Grenzanlage am 22. Februar 2024 wurden erstmals auch die Bauarbeiten für das Strassenprojekt offiziell lanciert. Auf diesen Aspekt, sollte wohl das zur Feier des Tages in Reih und Glied drapierte, schwere Baugerät hindeuten.







März 2025
Unerwartet kreuzten wir in den Gebieten En Nsour und Kreb Akouadim neu geschobene, breite Pistenstücke, folgten ihnen aber nicht, da sie irgendwie isoliert und verlassen schienen. Bei der Übernachtung im En Nsour sahen wir sehr weit entfernt möglicherweise das Licht einer Base de Vie, doch erst kurz vor und bei der Grenze waren einige konkrete Anzeichen auf Bautätigkeiten festzustellen.











März 2026
Im Gebiet Amgouna stossen wir von Süden kommend nicht ganz unerwartet, aber mit 30km unterhalb der DARS-Grenze früher als gedacht, auf das fortgeschritten bearbeitete und befahrbare Trassee der neuen Strasse. Auf den etwa 206km, denen wir dem Trassee kurz nach Osten und dann nach Norden bis zur Grenze folgen, wird rege gearbeitet; uns passieren Lastwagen, vor allem Kipper, in beide Richtungen, wir stossen auf kleinere und grössere Bautrupps und wir kommen an diversen Arbeitercamps, den sogenannten Base de Vie, vorbei.


























Wir befinden uns auf dem Phase 1-Abschnitt der Transsaharienne-Baustelle, der die ersten 320km umfasst und in 30 Monaten ab Baubeginn vom Februar 2024 fertiggestellt sein soll, also bis Ende August dieses Jahres. Dieser Abschnitt ist der schwierigere, denn das hügelige Gelände im Norden, mit den vielen Oueds, erfordert grossen Aufwand hinsichtlich der Drainage. Für die Phase 2 bzw. die restlichen 440km, sind dann 40 Monate vorgegeben, sodass die Bauarbeiten eigentlich anfangs 2030 abgeschlossen sein sollten. Dafür, dass das auch funktioniert, wird seit Februar 2025 von höchster Stelle Druck gemacht.



Übrigens ist dieses Projekt das erste grössere Auslandprojekt Algeriens. Es wird von Algerien finanziert, von algerischen Designfirmen projektiert, von algerischen Firmen wie der COSIDER mit ausschliesslich algerischen Arbeitskräften umgesetzt und schliesslich für die nächsten zehn Jahre inkl. der Naftal-Tankstellen unterhalten.











































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