Autor: Susan


Nouakchott

Genau zur Mittagszeit erreichen wir die Hauptstadt der Mauren und arbeiten uns durch den chaotischen Verkehr. Am nächsten Morgen gehen wir zur Botschaft von Mali und erhalten dort recht schnell und unkompliziert unsere Visa.
Uns bleibt also genug Zeit auch gerade noch bei der Algerischen Botschaft vorbei zu gehen. Die Grenze zwischen Mauretanien und Algerien bei Tindouf ist seit August 2018 nach langer Zeit wieder offen. Wir sind aber die ersten westlichen Touristen, die von hier aus nach Algerien fahren wollen, sodass die Leute auf der Botschaft erstmal erstaunt sind. Wir werden aber sehr nett empfangen, können dank der Einladung der Polisario die Visaanträge stellen und es wird uns gesagt, dass der Sache eigentlich nichts im Weg stehe.

In der Hoffnung die Visa schon bald zu erhalten, entschliessen wir uns noch einige Tage in Nouakchott darauf zu warten. So müssten wir auf der Rückreise nicht nochmals hier vorbei kommen. Bei Hadj auf dem Camping ‚Tergit Vacances‘ direkt am Meer lässt es sich auch aushalten. Achat geniesst es in den Wellen und im Sand und die Abkühlung abends ist angenehm. Nicht weit neben dem Badestrand, wo wir mitkriegen, was Mauren so in ihrer Freizeit tun, befindet sich der Pirogenhafen und pulsiert das harte und schmutzige Leben rund um die Fischerei.

Die Felsmalereien von Aouinet-Asguer

Wir sind seit drei Tagen unterwegs von Guelmin, wo wir unsere Freunde wieder getroffen haben. Durch das Draa Tal mit dem Bergmassiv zu beiden Seiten erreichen wir Msied, das sich als recht heruntergekommen erweist. Schade, Kaffees oder Brot gibt es hier nicht, eine Tankstelle auch nicht. Wozu all die Lichter, die die breite, komplett leere Strasse säumen und uns nachts die Illusion eines Städtchens vorgaukeln? Nun ja, nicht das erste mal das wir das erleben hier in Marokko! Also weiter auf einer Piste zu einem sogenannten Antennengrab weiter südlich. Diese Art Gräber aus Vorislamischer Zeit sind immer gleich angelegt. Von einem Zentrum strecken sich, wie bei einem Bumerang, zwei Arme aus. Dieses hier hat speziell lange solche «Antennen» von ca.260 m Länge.

Bei unbeständigem Wetter fahren wir weiter auf einer schönen Piste durch ein Oued, vorbei an Nomaden , Kamelen und einer Herde Ziegen. Kaum halten wir an für die Nacht erscheint ein Hirte auf seinem Esel. Mit ein wenig französisch, etwas arabisch und Handzeichen, verständigen wir uns. Man versteht nur mit dem Herzen gut, würde St. Exupéry sagen. Der Hirte stammt aus dem Hohen Atlas – wie ist er nur hierhin gekommen? Nachdem wir seine arg verschmutzte Wunde am Finger desinfiziert und verbunden haben, schenkt ihm Stephan ein Paar Schuhe. Er kann sie wirklich gut gebrauchen. Am nächsten Morgen geht es weiter durchs Oued, es wird immer steiniger und sandiger und die Piste quert das Oued mehrmals. Werden wir durchkommen? Swinging Chameau schafft es, doch einige Kratzer müssen wir in Kauf nehmen!

Nach einer steilen rumpligen Auffahrt erreichen wir das Plateau wo sich Felsmalereien befinden. Was für eine Überraschung dort ein Campment anzutreffen. Etwa 10 Soldaten der Forces Auxillaires Marocain sind gerade beim Tee trinken in ihrer Khaima. Wir sind natürlich eine willkommene Abwechslung und werden eingeladen. Sie bewachen die « Fundstelle» die inzwischen auch eingezäunt wurde. Die Zeichnungen sind extrem gut erhalten, da sie unter einem grossen Felsen versteckt sind. Giraffen, ein Elefant, Jäger mit Pfeilbögen und auch abstrakte Zeichen. Ein junger Soldat erklärt uns was er darüber weiss, er hat sich ein grosses Wissen angeeignet und war schon oft in der Wüste. Er stammt aus Mhamid, ist offen und sehr interessiert am Austausch mit Fremden. Zum Abschied kriegen wir noch ein frischgebackenes, warmes Brot geschenkt. Was sind wir doch für Glückspilze!

Assia die Lehrerin von Tanzourout

Vor zwei Jahren habe ich in Tanzourout nahe von Foum Zguid einen Kindergarten besucht, wo die junge Frau Assia als Lehrerin arbeitet und wurde zum Tee eingeladen (Afrikareise 2017-2018 – Foum Zguid). Nun möchte ich ihrer Familie ausgedruckte Fotos von damals vorbei bringen und sehen, wie es Ihnen geht. Die Freude ist gross, sie erinnern sich gut an meinen letzten Besuch. Sofort wird für mich und Stephan Tee, Gebäck und Nüssli aufgedeckt und nach einigem Geplauder zeigen uns Assia und ihre Schwägerin Aziza stolz ihr grosses Haus. Zum Abschluss werde ich noch traditionell eingekleidet, die besten Stücke und der Hochzeitskopfschmuck der Familie werden hervorgekramt. Die Schwarzen Tücher die farbig bestickt sind, gehören in dieser Region zur Tracht. Darüber wird ein schweres Band am Kopf befestigt, dass mit vielen Silbermünzen und Halbedelsteinen bestückt ist. In der Familie gibt es nur ein Stück davon und bei jeder Heirat darf es dann jeweils die Braut tragen.

Les enfants du desert

Serge und Betty arbeiten für die Organisation Enfants du désert, die seit 2005 jedes Jahr eine R4-Rallye organisiert und dabei Berge von Kleidern, Büchern, Haushaltsgeräte und Spielsachen von Frankreich nach Marokko transportiert, welche dann direkt an Menschen vor Ort gelangen. Daneben hat die Organisation mit Spendengelder inzwischen schon 25 Schulen im ländlichen Marokko aufgebaut.

Wir haben die Gelegenheit in der Nähe von Es-Sifa die allererste Schule des Projekts zu besuchen, wo wir vom überaus freundlichen Gärtner und vielen Kindern herzlich empfangen wurden.

Die Schule wurde von einem jungen Paar aus Frankreich finanziert, das sich zur Hochzeit keine Geschenke gewünscht und auch kein Fest gemacht, dafür aber Geld für dieses Hilfsprojekt gesammelt hat. Aus der einst aus einem einzigen kleinen Gebäude bestehenden Schule ist unterdessen ein Schulareal mit zwei Klassenhäusern, einer Bibliothek, einem Garten mit Spiel- und Sportplatz und nicht zuletzt mit einer sauberen Wasserversorgung und einer Toilettenanlage entstanden.

Dass solche Projekte in einem eigentlich reichen Land nötig sind, ist eine Schande!

Foum Zguid

Der Muezzin singt wunderbar hier in Foum Zguid! Das ist nicht überall gleich. Stephan macht sogar das Fenster beim ersten Ruf auf, damit wir seinen Gesang gut mitbekommen. Die Oasenstadt liegt umrahmt von hohen kahlen Bergen an einem Oued, das jedoch kaum Wasser führt.Wir geniessen auf dem gemütlichen Camping ein paar ruhige Tage.

Es hat zig Lädeli, ich verstehe das System noch nicht so genau. Man kann aber fast alles haben. Oliven gibt es beim einen Gemüsehändler, der andere hat dafür auch noch Eier. Wo ich Käse bekam, waren auch viele am Essen und wurde auch Brot und Kaffee verkauft. Wo Laiterie stand, gabs nur Fleisch, aber fast alle verkaufen Nüsse und Sweets. Brot hat fast jeder, aber eben nur fast. Ja dann hat’s noch viele Läden mit elektronischen Ersatzteilen, Motomechaniker, Schlosser, Geschäfte mit Gartengeräten, Putzgeräten, Seifen und Oele, Automechaniker und Kissenverkäufer. Wo es coole Musik hat, gibt es Telefone und Zubehör. Auch Kleiderläden mit modischen Outfits, gemischt mit Chellabas und bunten Tüchern gibt’s. Ein Schuhmacher flickt gerade Schuhe, eine Schneiderin näht Kleider und hat viele schöne Stoffe und Bordüren im Laden neben einer kleinen Bäckerei mit selbstgemachten Kuchen.

Die Palmeraie ist wunderschön. Aus den Palmblättern flechten sie kleine Zäune, um den Wind und den Sand von ihren Gärten abzuhalten. Diese sind recht stabil und sehen auch noch hübsch aus. Die Gärten sind schön gepflegt, aber im Moment hat es nur Gras und Klee für die Tiere. Der Weizen ist geerntet.

Nach der Palmeraie und den Gärten durchquere ich das breite Oued Zguid und komme nach einer halben Stunde in das kleine Dorf Tanzourout gegenüber von unserem Camping. Dort treffe ich die Lehrerin des Kindergartens. Ich werde eingeladen die Schule zu besuchen. Die Kinder sitzen alle ganz brav in ihren Bänken. Ich darf ihre Zeichnungen bestaunen und sie bestaunen mich, die Touristin mit dem Hund.

Danach wurde ich zum Tee ins Haus der Familie der Kindergärtnerin eingeladen.

Das Leben findet hier auf der Strasse statt, man redet miteinander, trinkt Tee, und die Jungs spielen Fussball. Die African League findet jetzt im Januar in Casablanca statt und Marokko hat eben Mauretanien 4:0 geschlagen! Da darf man schon stolz drauf sein.