Diejenigen, die den Blog unserer Afrikareise 2022-2023 verfolgt haben, wissen, dass wir Mitte Februar 2023 eine Woche in der "verbotenen" Stadt Tindouf ganz im Westen von Algerien verbrachten. Die sieben Tage dort standen wir mit unserem Reisemobil verordnetermassen und kontrolliert auf dem Hof des Hotels Djebilet. Es ist vermutlich das nobelste der Stadt und beherbergt die wenigen offiziellen Fremden, wie Handelsreisende, NGO-Leute oder Vertreter algerischer Ämter. So hatten wir die Gelegenheit trotz eingeschränkter Bewegungsfreiheit, allerlei interessante Menschen kennenzulernen, denen wir sonst nicht begegnet wären.
Unter anderem sind wir mit zwei Ingenieuren aus Béchar ins Gespräch gekommen, die uns, an einem dank Sandsturm freien Tag, von ihrer Arbeit und der geplanten Strasse von Tindouf nach Zouérat in Mauretanien erzählten, mit deren detaillierter Streckenführung sie gerade beschäftigt seien.
Da schon 2018 eine Grenzanlage bei Mustapha Ben Boulaid/Hassi Abdala 75 südwestlich von Tindouf inklusive 75km langer, geteerter Zufahrtstrasse fertiggestellt worden waren, überraschte mich dies damals nicht.



Erstaunt war ich allerdings, als ich vor wenigen Tagen auf mehrere Pressemitteilungen datiert vom Februar stiess, die zeigen, wie schnell die Sache vorwärts geht, dass die Realisierung des Projekts schon längst beschlossene Sache ist und die Zusammenarbeit mit Mauretanien besiegelt. Die Algerier werden die Strasse finanzieren, sie bauen und dann die Infrastruktur für weitere zehn Jahre unterhalten. Mauretanien wird die Baumaterialien und die Arbeitskräfte stellen und ist für die Sicherheit der Baustellen verantwortlich.
Da die Länge der Route ab der Grenze von den Ingenieuren auf 773km vorangeschlagen wird, kann man davon ausgehen, dass sie nicht der "kolonialen" Piste via Bir Moghrein folgen wird. Wenn ich die Enden der bereits etablierten Teilstrecken, der von Tindouf bis zur Südostecke der Westsahara (A) und der von Zouérat in die abgelegenen Erzabbaugebiete (B), direkt verbinde, komme ich auf folgende, genau der projektierten Länge entsprechende Route:


Sie ist das "Missing Link" einer neuen, asphaltierten Transsaharienne, einer Handelsroute vom östlichen Maghreb (Algerien, Libyen) in die Länder Westafrikas (bis Ghana). Die Konkurrenz zur bisher einzigen Verbindung dorthin, der marokkanisch kontrollierten Strasse dem Atlantik entlang, ist eigentlich längst überfällig und wird den wirtschaflichen und sozialen Austausch der Länder fördern!
Oder wie es Lakhdar Rekhroukh, der algerische Minister für öffentliche Arbeiten, Hydraulik und Basisinfrastruktur, ausdrückt:
"Das Projekt dieser Straße ist von großer wirtschaftlicher und sozialer Bedeutung auf regionaler und kontinentaler Ebene", da sie angesichts der geostrategischen Lage von Algerien und Mauretanien als zwei Transitpunkte zwischen Europa, dem Maghreb und Afrika einen internationalen Transitkorridor darstellt und den Personen- und Warenverkehr fördert, um "den Export der nationalen Produktion in afrikanische Länder zu fördern und die Wiederbelebung der Wirtschaft der gesamten Region."
[…] Ingenieuren ins Gespräch kamen und ich habe basierend auf Presseberichten später einen ersten, spekulativen Bericht dazu geschrieben. Unterdessen sind wir aber bereits dreimal bis in die nördliche Spitze der […]
[…] ein Ausbau der Strecke kostet viel Geld und wäre ein Affront gegenüber Algerien im Hinblick auf die neue Transsaharienne. Zudem steht Mauretanien seit einigen Jahren mit Marokko bzgl. Transit von Gütern nach Westafrika […]
[…] 2023 bekannt wird, dass von Tindouf aus eine neue Transsaharienne angelegt, d.h. die beschwerliche, rund 800km lange Piste via Ain Ben Tili und Bir Moghrein nach […]